Elektroherd, Backofen und Induktion: So viel Strom verbrauchen Kochen und Backen wirklich
6 Min. Lesezeit · Stand: 9. Oktober 2026
Kurz gesagt: Ein sparsamer Backofen braucht laut Verbraucherzentrale weniger als 0,9 kWh pro genormtem Backvorgang mit Ober- und Unterhitze. Bei 32 Cent pro kWh sind das knapp 29 Cent. Herd und Backofen zusammen verursachen nach Angaben von co2online knapp zehn Prozent des Stromverbrauchs im Haushalt. Induktion spart gegenüber einem Ceranfeld etwa 20 Prozent. Das ist spürbar, erklärt aber keine plötzlich stark gestiegene Rechnung. Mehr bringen ein paar Gewohnheiten: Umluft nutzen, nicht vorheizen und kleine Mengen im passenden Gerät zubereiten. Mit deinem Stromzähler kannst du nachprüfen, ob deine Küche überhaupt die Ursache ist.
Wie viel Strom braucht ein Backvorgang?
Das EU-Energielabel gibt den Verbrauch eines Backofens in kWh pro genormtem Backvorgang an. Die Verbraucherzentrale nennt für Öfen mit 45 bis 65 Litern Garraum folgenden Wert: Die sparsamsten Geräte brauchen weniger als 0,9 kWh mit Ober- und Unterhitze. Die meisten Öfen haben die Effizienzklassen A und A+. Ein A-Gerät kann bis zu 30 Prozent mehr verbrauchen als ein A+-Gerät. Das Label bewertet nur den Ofen, nicht das Kochfeld.
Rechenbeispiel · Was ein Backvorgang kostet (bei 32 Cent pro kWh)
- Sparsamer Ofen: 0,9 kWh × 0,32 €/kWh = 0,29 €
- Ofen mit 30 % Mehrverbrauch: 0,9 kWh × 1,3 = 1,17 kWh × 0,32 €/kWh = 0,37 €
- 3 Backvorgänge pro Woche: 3 × 52 = 156 Vorgänge × 0,9 kWh = 140 kWh
- 140 kWh × 0,32 €/kWh = 44,80 € im Jahr
Ein Backofen kostet bei normaler Nutzung zwischen 40 und 60 Euro im Jahr. Für einen Anstieg um mehrere hundert Euro ist er nur selten verantwortlich.
Mehr als der Normwert kostet es dich, wenn du lange schmorst, sehr hohe Temperaturen einstellst oder die Selbstreinigung (Pyrolyse) nutzt. Wenn du wissen willst, wie du aus der Wattzahl eines Geräts Euro errechnest, lies Stromkosten berechnen.
Umluft, Ober- und Unterhitze und Vorheizen
Mit Umluft kannst du die Temperatur nach Angaben der Verbraucherzentrale 20 bis 30 Grad niedriger einstellen als bei Ober- und Unterhitze. Außerdem kannst du auf mehreren Ebenen gleichzeitig backen. Zwei Bleche in einem Durchgang verbrauchen deutlich weniger Strom als zwei Durchgänge nacheinander.
Wenn du nicht vorheizt, sparst du laut Verbraucherzentrale bis zu 20 Prozent Energie. Das gilt nicht für Blätterteig, Biskuit und Soufflés, die einen heißen Ofen brauchen. Schalte den Ofen außerdem früher aus: Die Restwärme gart bis zu 15 Minuten weiter.
Rechenbeispiel · Was der Verzicht aufs Vorheizen bringt (bei 32 Cent pro kWh)
- Ersparnis pro Backvorgang: 0,9 kWh × 20 % = 0,18 kWh
- 100 Backvorgänge im Jahr ohne Vorheizen: 100 × 0,18 kWh = 18 kWh
- 18 kWh × 0,32 €/kWh = 5,76 €
Im Jahr sparst du damit rund 6 Euro. Das ist nicht viel, kostet dich aber auch nichts.
Ceranfeld oder Induktion: Wie viel spart das Induktionsfeld?
Ein Induktionsfeld erzeugt die Wärme direkt im Topfboden. Ein Ceranfeld (Glaskeramik) erhitzt dagegen zuerst eine Heizspirale und dann die Glasplatte. Nach Angaben der Verbraucherzentrale verbraucht Induktion bis zu 40 Prozent weniger als alte Gussplatten. Gegenüber Ceran ist der Unterschied kleiner. Stiftung Warentest rechnet so: Ein Haushalt, der mit einem herkömmlichen Kochfeld 10 kWh pro Woche verbraucht, kommt mit Induktion auf rund 8 kWh.
| Kochfeld | Verbrauch pro Woche | Verbrauch pro Jahr | Kosten pro Jahr (32 Cent pro kWh) |
|---|---|---|---|
| Herkömmlich (Ceran) | 10 kWh | 520 kWh | 166,40 € |
| Induktion | 8 kWh | 416 kWh | 133,12 € |
| Differenz | 2 kWh | 104 kWh | 33,28 € |
Allein wegen der Stromkosten lohnt sich ein neues Kochfeld also kaum. Auf jedem Kochfeld sparst du, wenn du einen Deckel benutzt und die Topfgröße zur Platte passt. Beim Ceranfeld kannst du die Platte außerdem einige Minuten vor Ende ausschalten und die Restwärme nutzen. Induktion funktioniert nur mit magnetischen Töpfen.
Wasserkocher, Airfryer, Mikrowelle: Wann die Alternative spart
Große Öfen und Kochplatten lohnen sich vor allem für große Mengen. Für kleine Portionen sind kleinere Geräte meist sparsamer, weil sie weniger Raum und weniger Metall aufheizen müssen. Wie viel Leistung dein Gerät aufnimmt, steht auf dem Typenschild. In den folgenden Beispielen sind die Leistungen und Laufzeiten Annahmen, die du durch deine eigenen Werte ersetzen kannst.
Rechenbeispiel · 1 Liter Wasser von 15 auf 100 Grad (bei 32 Cent pro kWh)
- Physikalisches Minimum: 4,19 kJ pro kg und Grad × 1 kg × 85 Grad = 356 kJ = 0,099 kWh
- Wasserkocher, angenommener Wirkungsgrad 90 %: 0,099 kWh ÷ 0,9 = 0,11 kWh = 3,5 Cent
- Ceranfeld, angenommener Wirkungsgrad 70 %: 0,099 kWh ÷ 0,7 = 0,14 kWh = 4,5 Cent
- Bei täglich 2 Litern: Unterschied 2 × 0,03 kWh × 365 = 22 kWh = 7,04 € im Jahr
Bring Wasser im Wasserkocher zum Kochen und gieße es dann in den Topf. Erhitze nur so viel, wie du brauchst. Gegenüber einem Induktionsfeld ist der Vorteil des Wasserkochers gering.
Rechenbeispiel · Airfryer und Mikrowelle gegenüber dem Backofen (bei 32 Cent pro kWh)
- Airfryer, angenommen 1.500 W, 20 Minuten Dauerheizen: 1,5 kW × 0,33 h = 0,5 kWh = 16 Cent (Obergrenze, weil das Gerät zwischendurch taktet)
- Mikrowelle, angenommen 1.200 W Aufnahme, 3 Minuten: 1,2 kW × 0,05 h = 0,06 kWh = 1,9 Cent
- Backofen, ein Vorgang: rund 0,9 kWh = 29 Cent
Eine Portion aufzuwärmen kostet in der Mikrowelle nur einen Bruchteil dessen, was der Backofen braucht. Der Airfryer spart vor allem bei kleinen Mengen. Für ein volles Blech ist der Ofen die bessere Wahl.
Mit dem Stromzähler prüfen, ob die Küche die Ursache ist
Ob deine Küche schuld am höheren Verbrauch ist, kannst du ohne Messgerät herausfinden. Dazu misst du einen typischen Back- oder Kochvorgang direkt am Zähler. Wie du die Anzeige liest, erklärt Stromzähler ablesen.
- Miss zuerst die Grundlast: Lies den Zähler abends ab, wenn alles aus ist, und am Morgen noch einmal. Teile die Differenz durch die Zahl der Stunden. So weißt du, was ständig läuft. Eine ausführliche Anleitung findest du unter Grundlast messen.
- Lies den Zähler direkt vor dem Backen ab und notiere die Uhrzeit.
- Backe wie gewohnt. Schalte in dieser Zeit möglichst keine anderen großen Verbraucher ein, also keine Waschmaschine, keinen Trockner und keinen Heizlüfter.
- Lies den Zähler danach wieder ab. Ziehe von der Differenz die Grundlast für dieselbe Zeit ab. Was übrig bleibt, hat ungefähr der Ofen verbraucht.
Rechenbeispiel · Messung am Zähler (bei 32 Cent pro kWh)
- Zählerstand vorher: 12.345,6 kWh, nachher: 12.346,9 kWh → 1,3 kWh in einer Stunde
- Grundlast laut Nachtmessung: 150 W → 0,15 kWh in einer Stunde
- Backofen: 1,3 kWh − 0,15 kWh = 1,15 kWh = 0,37 €
Liegt dein Wert ungefähr in diesem Bereich, arbeitet der Ofen normal. Braucht er bei gleichem Gericht deutlich mehr, kann eine Türdichtung oder ein Thermostat defekt sein. Das sollte ein Fachbetrieb prüfen.
Wenn die Küche nicht die Ursache ist
Hochgerechnet auf das Jahr brauchen Herd und Ofen meist nur einige hundert kWh. Wenn deine Rechnung um 1.000 kWh oder mehr gestiegen ist, liegt die Ursache häufiger anderswo. Typische Kandidaten sind elektrische Heizgeräte, Warmwasser oder eine hohe Grundlast. Systematisch gehst du dabei mit Stromverbrauch plötzlich gestiegen vor. Prüfe auch, ob der Verbrauch auf deiner Rechnung auf einer Schätzung beruht.
Mit Stromfahnder erfasst du den Zählerstand per Foto und trägst deine Geräte ein. Die App vergleicht dann den gemessenen mit dem erklärten Verbrauch und zeigt dir Tag für Tag, wie du im Vergleich zum Vorjahr stehst. Die Nutzung ist kostenlos und funktioniert ohne Smart Meter. Jetzt kostenlos registrieren.
Häufige Fragen
Wie viel Strom verbraucht ein Backofen pro Stunde?
Das hängt von der Temperatur und vom Gerät ab. Für einen genormten Backvorgang brauchen sparsame Öfen laut Verbraucherzentrale weniger als 0,9 kWh. Bei 32 Cent pro kWh sind das knapp 29 Cent. Wie viel dein eigener Ofen verbraucht, misst du am Zähler: Lies vorher und nachher ab und ziehe die Grundlast ab.
Spart Umluft wirklich Strom?
Ja. Bei Umluft kannst du die Temperatur um 20 bis 30 Grad niedriger einstellen als bei Ober- und Unterhitze. Außerdem kannst du mehrere Bleche gleichzeitig backen und sparst so ganze Backvorgänge.
Lohnt sich ein Induktionsfeld nur wegen der Stromkosten?
Meist nicht. Nach Stiftung Warentest sinkt der Verbrauch von etwa 10 auf 8 kWh pro Woche. Bei 32 Cent pro kWh sind das rund 33 Euro im Jahr, wenn du viel kochst. Wer wenig kocht, spart entsprechend weniger.
Ist der Wasserkocher sparsamer als der Herd?
Im Vergleich zu Ceran- und Gussplatten ja, vor allem bei kleinen Mengen. Gegenüber Induktion ist der Unterschied gering. In jedem Fall sparst du, wenn du nur so viel Wasser erhitzt, wie du brauchst.
Spart ein Airfryer gegenüber dem Backofen?
Bei kleinen Portionen oft schon, weil das Gerät einen kleineren Garraum hat und kaum vorheizen muss. Bei großen Mengen, für die du mehrere Durchgänge bräuchtest, schrumpft der Vorteil oder fällt ganz weg.
Wie erkenne ich, ob mein Herd zu viel Strom braucht?
Miss einen typischen Koch- oder Backvorgang am Zähler und ziehe die Grundlast aus der Nachtmessung ab. Liegt der Wert deutlich über dem, was für ein vergleichbares Gericht zu erwarten ist, lass das Gerät von einer Elektrofachkraft prüfen. Öffne es nicht selbst.
Quellen
- Verbraucherzentrale: Backofen – darauf sollten Sie bei Kauf und Nutzung achten
- co2online: Stromspartipps für den Haushalt
Alle Kostenbeispiele mit einem Strompreis von 32 Cent pro kWh. Angaben ohne Gewähr; bei technischen Fragen hilft eine Elektrofachkraft.
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