Grundlast messen: So findest du heraus, was ständig Strom zieht
6 Min. Lesezeit · Stand: 1. Oktober 2026
Die Grundlast ist der Strom, den dein Haushalt zieht, wenn scheinbar nichts läuft – nachts, im Urlaub, bei leerer Wohnung. Du misst sie mit zwei Ablesungen deines Stromzählers: spät abends und früh morgens. Der Verbrauch dazwischen, geteilt durch die Stunden, ergibt die Grundlast in Watt. Jedes Watt, das rund um die Uhr läuft, sind im Jahr 8,76 kWh – 100 Watt Grundlast kosten bei 32 Cent pro kWh also rund 280 € im Jahr.
Was zur Grundlast gehört
Zur Grundlast zählt alles, was ohne dein Zutun dauerhaft oder in kurzen Abständen Strom braucht. Typisch sind:
- Kühlschrank und Gefriergerät – sie laufen nicht ständig, aber regelmäßig; über eine Nacht gemittelt ergibt das einen festen Wert.
- Router, Telefon, Smart-Home-Zentrale, Netzwerkspeicher – kleine Leistungen, aber 24 Stunden am Tag.
- Heizungs- und Zirkulationspumpe – alte, ungeregelte Pumpen sind oft der größte einzelne Posten.
- Geräte im Bereitschaftsbetrieb – Fernseher, Spielekonsole, Drucker, Kaffeevollautomat, Ladegeräte in der Steckdose.
- Sonderfälle – Aquarium, Terrarium, Teich- oder Brunnenpumpe, Luftentfeuchter im Keller, Getränkekühlschrank.
Das Umweltbundesamt nennt solche Verluste Leerlaufverluste: Geräte, die im Bereitschaftsbetrieb oder scheinbar ausgeschaltet weiter Strom ziehen – oder gar keinen Ausschalter haben.
So misst du die Grundlast mit deinem Zähler
- Abends – wenn die Waschmaschine, der Geschirrspüler und der Trockner fertig sind – den Zählerstand und die Uhrzeit notieren. Am einfachsten mit einem Foto vom Zähler.
- Über Nacht nichts Besonderes laufen lassen: keine Spülmaschine mit Startzeitvorwahl, kein Heizlüfter, kein E-Auto an der Steckdose. Kühlgeräte, Router und Heizung laufen ganz normal weiter – sie gehören ja zur Grundlast.
- Morgens vor dem Aufstehen – bevor Kaffeemaschine, Föhn oder Wasserkocher angehen – den Zählerstand und die Uhrzeit notieren.
- Rechnen: Verbrauch in kWh ÷ Stunden × 1.000 = Grundlast in Watt.
Rechenbeispiel · Grundlast aus zwei Ablesungen
- Abends 22:00 Uhr: 18.430,6 kWh
- Morgens 6:30 Uhr: 18.432,3 kWh
- Differenz: 1,7 kWh in 8,5 Stunden
- 1,7 ÷ 8,5 × 1.000 = 200 Watt
200 W Grundlast = 1.752 kWh im Jahr ≈ 560 € bei 32 ct/kWh
Viele digitale Zähler (moderne Messeinrichtung) zeigen nach Eingabe einer PIN auch die momentane Leistung in Watt an. Die PIN bekommst du von deinem Messstellenbetreiber. Ein Momentwert schwankt allerdings, je nachdem, ob gerade der Kühlschrank anspringt – die Messung über Nacht ist verlässlicher.
Welche Grundlast ist normal?
Eine feste Normgröße gibt es nicht – sie hängt davon ab, wie viele Geräte bei dir dauerhaft angeschlossen sind. Als Faustregel: Ein moderner Kühlschrank, ein Router und ein paar Geräte im Bereitschaftsbetrieb kommen zusammen auf 50 bis 100 Watt. Liegt deine Grundlast deutlich über 200 Watt, läuft fast immer etwas, das du nicht auf dem Zettel hast.
| Grundlast | Verbrauch pro Jahr | Kosten pro Jahr |
|---|---|---|
| 50 W | 438 kWh | ≈ 140 € |
| 100 W | 876 kWh | ≈ 280 € |
| 200 W | 1.752 kWh | ≈ 560 € |
| 400 W | 3.504 kWh | ≈ 1.120 € |
Zum Vergleich: Ein Zwei-Personen-Haushalt ohne Stromheizung braucht im ganzen Jahr oft weniger als 3.000 kWh. Eine Grundlast von 400 Watt allein wäre also mehr, als mancher Haushalt insgesamt verbraucht – ein deutliches Zeichen für einen versteckten Dauerläufer.
Typische Ursachen einer zu hohen Grundlast
- Alte Heizungspumpe: ungeregelte Pumpen ziehen 50 bis 100 Watt – das ganze Jahr, auch im Sommer. Moderne Hocheffizienzpumpen kommen mit einem Bruchteil aus. Mehr dazu im Artikel Umwälzpumpe als Stromfresser.
- Gefriertruhe im Keller oder alter Zweitkühlschrank: Vereisung und spröde Dichtungen lassen den Kompressor kaum noch pausieren.
- Pumpen im Garten: Teich-, Brunnen- oder Poolpumpe, die eigentlich nur ein paar Stunden laufen sollte.
- Rechner im Dauerbetrieb: Netzwerkspeicher, Server, Gaming-PC oder Spielekonsole, die nicht in den Ruhezustand gehen.
- Heizende Geräte: Aquarium- oder Terrarienheizung, Wasserbett, elektrischer Handtuchheizkörper, Luftentfeuchter.
Den Dauerläufer einkreisen – ohne Werkzeug
Du musst dafür nichts aufschrauben. Wiederhole die Nachtmessung, nachdem du einen Kandidaten vom Strom genommen hast – zum Beispiel den Fernseher samt Receiver und Konsole über eine schaltbare Steckdosenleiste, den Netzwerkspeicher oder die Teichpumpe. Sinkt die Grundlast deutlich, hast du ihn gefunden. Die Differenz in Watt ist genau der Anteil dieses Geräts.
Für einzelne Steckdosengeräte hilft ein Zwischenstecker-Messgerät. Es zeigt die Leistung direkt an – sinnvoll vor allem für Geräte, die du nicht einfach ausschalten willst.
Grundlast senken: die wirksamsten Hebel
- Fernseher-Ecke und Arbeitsplatz an schaltbare Steckdosenleisten hängen und nachts ausschalten.
- Beim Router die Nachtabschaltung oder das Abschalten des WLAN-Funks nutzen, wenn ihr nachts kein Netz braucht.
- Netzwerkspeicher und PCs so einstellen, dass sie in den Ruhezustand gehen.
- Eine alte Heizungspumpe von einem Fachbetrieb prüfen und gegebenenfalls tauschen lassen.
- Gefriertruhe abtauen, Dichtungen prüfen, Temperatur nicht kälter als nötig einstellen.
- Garten- und Teichpumpen über eine Zeitschaltuhr laufen lassen.
Häufige Fragen
Wie lange sollte ich die Grundlast messen?
Mindestens eine Nacht, also etwa acht Stunden. In dieser Zeit mitteln sich die Laufzeiten von Kühlschrank und Gefriergerät heraus. Noch genauer ist ein Zeitraum, in dem niemand zu Hause ist, etwa ein Wochenende.
Wie rechne ich kWh in Watt um?
Teile die verbrauchten Kilowattstunden durch die Stunden der Messung und multipliziere mit 1.000. Beispiel: 1,7 kWh in 8,5 Stunden sind 0,2 kW, also 200 Watt.
Was kostet eine Grundlast von 100 Watt im Jahr?
100 Watt rund um die Uhr sind 876 kWh im Jahr. Bei einem Strompreis von 32 Cent pro kWh sind das etwa 280 Euro.
Brauche ich ein Smart Meter, um die Grundlast zu messen?
Nein. Zwei Ablesungen deines normalen Stromzählers genügen – eine abends, eine morgens. Ein Smart Meter zeigt den Verlauf nur bequemer an.
Quellen
Alle Kostenbeispiele mit einem Strompreis von 32 Cent pro kWh. Angaben ohne Gewähr; bei technischen Fragen hilft eine Elektrofachkraft.
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