Standby-Verbrauch: Was Geräte im Schein-Aus wirklich kosten
6 Min. Lesezeit · Stand: 1. Oktober 2026
Standby-Verbrauch ist der Strom, den Geräte ziehen, obwohl sie scheinbar ausgeschaltet sind – im Bereitschaftsbetrieb oder im Schein-Aus. Laut Stromspiegel lassen sich durch vollständigen Verzicht auf Standby in einem Einfamilienhaus bis zu 360 kWh im Jahr sparen, in einer Zwei-Personen-Wohnung im Mehrfamilienhaus rund 210 kWh. Bei 32 Cent pro kWh sind das etwa 115 € bzw. 67 € im Jahr. Die Faustregel: Jedes Watt, das rund um die Uhr läuft, kostet im Jahr rund 2,80 €.
Bereitschaft, Schein-Aus, vernetzter Standby – was ist was?
Umgangssprachlich heißt alles „Standby“. Technisch unterscheidet man drei Zustände, und sie verbrauchen unterschiedlich viel:
- Bereitschaftszustand: Das Gerät wartet auf einen Befehl, etwa von der Fernbedienung, und springt in Sekunden an. Oft leuchtet ein Lämpchen oder eine Uhr.
- Schein-Aus: Das Gerät wirkt ausgeschaltet, zieht aber trotzdem Strom – typisch bei Geräten ohne echten Netzschalter oder mit Netzteil im Stecker. Ein warmes oder brummendes Steckernetzteil ist ein deutlicher Hinweis.
- Vernetzter Standby: Das Gerät bleibt mit dem Heimnetz verbunden, damit es per App, Sprachbefehl oder über das Netzwerk geweckt werden kann – etwa Smart-TV, Netzwerkdrucker, Streaming-Lautsprecher oder Spielekonsole. Dieser Zustand braucht in der Regel mehr als der einfache Bereitschaftsbetrieb.
Das Umweltbundesamt fasst all das unter dem Begriff Leerlaufverluste zusammen. Einzeln sind es oft nur wenige Watt. Weil sie aber 20 bis 24 Stunden am Tag anfallen, summieren sie sich über das Jahr.
Welche Geräte im Standby am meisten kosten
Der Stromspiegel hat ältere Geräte aus verschiedenen Haushalten nachgemessen. Die Tabelle zeigt die gemessene Standby-Leistung, hochgerechnet auf 22 Stunden Standby pro Tag. Die Kosten haben wir mit 32 ct/kWh neu berechnet.
| Gerät | Standby | kWh pro Jahr | Kosten pro Jahr |
|---|---|---|---|
| Stereoanlage | 15 W | 120 kWh | ≈ 38 € |
| Fernseher (LCD) | 14 W | 112 kWh | ≈ 36 € |
| Mini-Hi-Fi-Anlage | 11 W | 88 kWh | ≈ 28 € |
| PC, Monitor und Drucker | 10 W | 80 kWh | ≈ 26 € |
| DVB-T-Receiver | 10 W | 80 kWh | ≈ 26 € |
| Handy-Ladegerät (alt) | 5 W | 40 kWh | ≈ 13 € |
| Schnurlostelefon | 3 W | 24 kWh | ≈ 8 € |
| Waschmaschine | 3 W | 24 kWh | ≈ 8 € |
| Mikrowelle | 2,5 W | 20 kWh | ≈ 6 € |
| Handy-Ladegerät (neu) | 0,3 W | 2,4 kWh | unter 1 € |
Die größten Posten sind fast immer Unterhaltungselektronik und Büroecke: Fernseher mit Receiver, Soundbar und Konsole, dazu PC mit Monitor und Drucker. Neue Geräte liegen meist weit darunter – das zeigt der Vergleich der beiden Ladegeräte in der Tabelle.
Rechenbeispiel · Die Fernsehecke im Schein-Aus
- Fernseher 14 W + Receiver 10 W + Mini-Hi-Fi-Anlage 11 W = 35 W
- 35 W × 22 Stunden × 365 Tage = 281 kWh im Jahr
- 281 kWh × 0,32 €/kWh = 90 €
Eine ältere Fernsehecke kann im Standby rund 90 € im Jahr kosten – eine schaltbare Steckdosenleiste spart davon fast alles.
Was die EU im Standby erlaubt
Seit 2010 begrenzt die EU-Ökodesign-Verordnung 1275/2008 den Standby-Verbrauch neuer Elektrogeräte; ab ihrer zweiten Stufe 2013 galten 0,5 Watt im Aus-Zustand und je nach Funktion 0,5 oder 1 Watt im Bereitschaftszustand. Ältere Geräte aus der Zeit davor unterlagen keinen Anforderungen. Seit dem 9. Mai 2025 gilt die Nachfolgeverordnung (EU) 2023/826 für neu in Verkehr gebrachte Geräte:
| Zustand | Höchstwert |
|---|---|
| Aus-Zustand | 0,50 W, ab 2027 0,30 W |
| Bereitschaft, nur Reaktivierung | 0,50 W |
| Bereitschaft mit Informations- oder Statusanzeige | 0,80 W (Wäschetrockner 1,00 W) |
| Vernetzter Standby, übliche vernetzte Geräte | 2,0 W |
| Vernetzter Standby, Geräte mit hoher Netzverfügbarkeit (z. B. Router) | 8,0 W, ab 2027 7,0 W |
Für dich heißt das: Ein neues Gerät im einfachen Standby kostet bei 0,5 Watt nur rund 1,40 € im Jahr (0,5 W × 8.760 h = 4,4 kWh). Teuer sind Altgeräte und Geräte, die im vernetzten Standby bleiben – etwa ein Fernseher mit aktivierter Schnellstart- oder Sprachsteuerungsfunktion.
So misst du deinen Standby-Verbrauch
Den gesamten Standby-Anteil siehst du am einfachsten an deinem Stromzähler. Lies ihn abends ab, wenn alles aus ist, und morgens vor dem Aufstehen wieder. Was dazwischen verbraucht wird, ist deine Grundlast – und Standby ist ein Teil davon, neben Kühlschrank, Router und Heizungspumpe.
Noch aufschlussreicher ist eine Abwesenheit, etwa ein Wochenende. Der Stromspiegel empfiehlt, direkt vor der Abreise und direkt nach der Rückkehr abzulesen: Liegt der Verbrauch während der Abwesenheit bei mehr als einer Kilowattstunde pro Tag, lohnt die Suche nach weiteren Standby-Verbrauchern und ein Blick auf Dauerläufer wie Kühlschrank oder Gefriertruhe.
Einzelne Geräte prüfst du mit einem Zwischenstecker-Messgerät – aber Vorsicht: Laut Stiftung Warentest sind manche Modelle nur auf Leistungen über 2 Watt ausgelegt. Für Standby-Werte brauchst du ein Gerät, das auch kleine Leistungen sauber erfasst. Ohne Messgerät hilft die Ausschalt-Methode aus dem Artikel Stromfresser finden ohne Messgerät.
Standby abschalten: Steckdosenleiste und Co.
- Schaltbare Steckdosenleiste: Die einfachste und sparsamste Lösung. Ein Schalter trennt die ganze Fernsehecke oder den Schreibtisch vom Netz.
- Master-Slave-Steckdosenleiste: Schaltest du das Hauptgerät aus (etwa den PC oder Fernseher), trennt die Leiste automatisch die Nebengeräte wie Monitor, Drucker oder Soundbar.
- Fernschaltbare oder smarte Steckdosen: bequem, verbrauchen aber selbst ein wenig Strom, um Signale empfangen zu können. Eine Leiste mit Handschalter ist sparsamer.
- Geräteeinstellungen: Schnellstart, „Wake on LAN“, Sprachsteuerung und automatische Updates im Standby abschalten, wenn du sie nicht brauchst.
- Netzteile ziehen: Ladegeräte nach dem Laden aus der Steckdose nehmen – vor allem ältere Modelle.
Häufige Fragen
Wie viel Strom verbraucht Standby im Jahr?
Laut Stromspiegel lassen sich in einem Einfamilienhaus bis zu 360 kWh, in einer Zwei-Personen-Wohnung im Mehrfamilienhaus rund 210 kWh im Jahr einsparen, wenn man vollständig auf Standby verzichtet. Bei 32 Cent pro kWh sind das etwa 115 bzw. 67 Euro.
Was kostet 1 Watt Standby im Jahr?
Ein Watt rund um die Uhr sind 8,76 kWh im Jahr. Bei 32 Cent pro kWh kostet das rund 2,80 Euro. Zehn Watt Standby kosten also etwa 28 Euro im Jahr.
Wie viel Standby ist bei neuen Geräten erlaubt?
Nach der EU-Verordnung 2023/826 dürfen neu in Verkehr gebrachte Geräte im einfachen Bereitschaftszustand höchstens 0,5 Watt aufnehmen, mit Anzeige 0,8 Watt. Im Aus-Zustand sind es 0,5 Watt, ab 2027 0,3 Watt. Für vernetzten Standby gelten 2 Watt, für Geräte mit hoher Netzverfügbarkeit wie Router 8 Watt.
Lohnt sich eine schaltbare Steckdosenleiste?
Bei älteren Geräten fast immer. Eine Fernsehecke mit 35 Watt Standby kostet bei 22 Stunden täglich rund 90 Euro im Jahr. Bei neuen Geräten mit 0,5 Watt Standby ist die Ersparnis je Gerät dagegen klein.
Woran erkenne ich, dass ein Gerät im Schein-Aus Strom zieht?
Typische Zeichen sind ein leuchtendes Lämpchen oder eine Uhr, ein warmes oder brummendes Steckernetzteil und ein fehlender echter Netzschalter. Sicher weißt du es erst mit einer Messung – am Zähler oder mit einem Zwischenstecker-Messgerät.
Quellen
- co2online/Stromspiegel: Stromverbrauch bei Standby
- Umweltbundesamt: Leerlaufverluste
- Bergische IHK: EU-Ökodesign-Anforderungen (Verordnung (EU) 2023/826)
- Stiftung Warentest: Strommessgeräte im Test
Alle Kostenbeispiele mit einem Strompreis von 32 Cent pro kWh. Angaben ohne Gewähr; bei technischen Fragen hilft eine Elektrofachkraft.
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