Stromfahnder

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk? So viel spart es wirklich auf der Stromrechnung

7 Min. Lesezeit · Stand: 8. Oktober 2026

Ein Balkonkraftwerk lohnt sich meist, aber oft weniger, als die Werbung verspricht. Gespart wird nur der Solarstrom, den du im selben Moment selbst verbrauchst. Was ins Netz fließt, bringt dir nichts. Eine 800-Watt-Anlage, die senkrecht am Südbalkon hängt, erzeugt in der Mitte Deutschlands rund 578 kWh im Jahr. Bei 32 Cent pro kWh sparst du damit etwa 55 bis 111 Euro im Jahr, je nachdem, ob du 30 oder 60 Prozent davon selbst nutzt. Den Ausschlag geben die Ausrichtung, die Verschattung und vor allem deine Grundlast, also der Strom, der tagsüber ohnehin ständig fließt.

Wie viel Strom ein Balkonkraftwerk je nach Ausrichtung erzeugt

Der Ertrag hängt stark davon ab, wohin die Module zeigen und wie steil sie stehen. Am Balkongeländer hängen sie meist senkrecht, und das kostet Ertrag. Die folgenden Werte stammen aus dem Solarrechner PVGIS der EU-Kommission. Gerechnet wurde für einen Standort in der Mitte Deutschlands mit 800 Watt Modulleistung, 14 Prozent Systemverlusten und ohne Verschattung.

Die rechte Spalte ist eine Obergrenze. Tatsächlich sparst du nur den Teil, den du selbst verbrauchst (siehe nächster Abschnitt).
Ausrichtung und NeigungErtrag pro JahrAnteil am BestwertWert bei 32 ct/kWh, falls alles selbst verbraucht
Süd, 35° geneigt823 kWh100 %263 €
West, 35° geneigt659 kWh80 %211 €
Süd, senkrecht (Geländer)578 kWh70 %185 €
West, senkrecht413 kWh50 %132 €
Nord, senkrecht159 kWh19 %51 €

Mindestens ebenso viel macht die Verschattung aus. Laut Verbraucherzentrale kann schon eine Teilverschattung von wenigen Prozent die Leistung um mehr als die Hälfte drücken, etwa durch einen Baum, eine Hauswand oder den Balkon darüber. Flächen zwischen Nordost und Nordwest sowie stark verschattete Plätze stuft die Verbraucherzentrale als ungeeignet ein.

Eigenverbrauch und Grundlast entscheiden über die Ersparnis

Ein Balkonkraftwerk speist direkt in deine Hausleitung ein. Läuft gerade ein Gerät, nutzt es zuerst den Solarstrom, und dein Zähler zählt in dieser Zeit weniger. Braucht gerade niemand Strom, fließt der Überschuss unvergütet ins Netz. Deshalb entscheidet der Eigenverbrauchsanteil über die Ersparnis und nicht der Ertrag allein.

Den Großteil davon deckt deine Grundlast ab: Kühlschrank, Router, Umwälzpumpe und Geräte im Standby laufen auch dann, wenn niemand zu Hause ist. Ein Beispiel: Bei 80 Watt Grundlast fallen über 10 helle Stunden täglich 0,8 kWh an, aufs Jahr gerechnet 292 kWh. Diesen Bedarf kann das Modul zu großen Teilen decken. Die Verbraucherzentrale rechnet mit einem 400-Watt-Modul senkrecht am Südbalkon: Es erzeugt rund 280 kWh, und der Strombezug sinkt um rund 200 kWh. Das entspricht einem Eigenverbrauch von gut 70 Prozent. Mit 32 Cent pro kWh gerechnet sind das 64 Euro im Jahr.

Bei 800 Watt Modulleistung ist der Überschuss zur Mittagszeit größer, und der Eigenverbrauchsanteil sinkt, wenn du tagsüber wenig verbrauchst. Hilfreich ist es, Waschmaschine, Spülmaschine oder Akkuladen in die Sonnenstunden zu legen. Ost- und Westmodule verteilen die Erzeugung auf den Vormittag und den Nachmittag und passen damit oft besser zum Verbrauch.

Grundlast am eigenen Zähler messen

  1. Lies abends, nachdem du das letzte Gerät bewusst ausgeschaltet hast, den Zählerstand ab und notiere die Uhrzeit. Kühlgeräte bleiben dabei an.
  2. Lies morgens vor dem ersten Kaffee den Zählerstand erneut ab.
  3. Teile die Differenz in kWh durch die vergangenen Stunden und multipliziere mit 1.000. Das Ergebnis ist deine Grundlast in Watt. Beispiel: 0,72 kWh in 9 Stunden ergeben 80 Watt.

Eine hohe Grundlast verbessert zwar den Eigenverbrauch, kostet dich aber auch rund um die Uhr Geld. Bevor du in Module investierst, lohnt sich deshalb ein Blick auf Standby-Verbraucher. Wie die Messung im Detail funktioniert, steht im Artikel Grundlast messen.

Amortisation: Nach wie vielen Jahren sich die Anlage bezahlt macht

Nach Angaben der Verbraucherzentrale kosten Sets mit zwei Modulen 200 bis 300 Euro, dazu kommen 50 bis 100 Euro für die Befestigung je Modul. Insgesamt sind das also etwa 300 bis 500 Euro.

Rechenbeispiel · 800 Watt senkrecht am Südbalkon, gerechnet mit 32 Cent pro kWh

  • Ertrag laut PVGIS: 578 kWh pro Jahr
  • Wenig Eigenverbrauch (30 %): 578 kWh × 0,30 = 173 kWh × 0,32 € = 55 € pro Jahr
  • Hoher Eigenverbrauch (60 %): 578 kWh × 0,60 = 347 kWh × 0,32 € = 111 € pro Jahr
  • Anschaffung: 500 € (oberes Ende der Spanne)
  • Amortisation: 500 € ÷ 55 € = 9,1 Jahre bzw. 500 € ÷ 111 € = 4,5 Jahre

Dieselbe Anlage macht sich je nach Eigenverbrauch nach etwa 4,5 oder erst nach 9 Jahren bezahlt.

Wie du Watt und Kilowattstunden selbst in Euro umrechnest, zeigt der Ratgeber Stromkosten berechnen.

Lohnt sich ein Speicher?

Ein Speicher erzeugt keinen zusätzlichen Strom. Er hebt den Mittagsüberschuss für den Abend auf und steigert so den Eigenverbrauch. Die Verbraucherzentrale nennt dafür einen Aufpreis von 500 bis 1.000 Euro. Anders als das Balkonkraftwerk selbst muss ein Speicher laut Verbraucherzentrale beim Netzbetreiber angemeldet werden. Einige Netzbetreiber verzichten darauf, deshalb vorher nachfragen.

Rechenbeispiel · Speicher mit 750 € Aufpreis, gerechnet mit 32 Cent pro kWh

  • Annahme: Der Speicher macht 150 kWh pro Jahr zusätzlich nutzbar, die sonst ins Netz geflossen wären.
  • Zusätzliche Ersparnis: 150 kWh × 0,32 € = 48 € pro Jahr
  • Amortisation des Speichers: 750 € ÷ 48 € = 15,6 Jahre

Ein Speicher rechnet sich meist erst, wenn tagsüber regelmäßig viel Strom übrig bleibt und du ihn abends sicher verbrauchst.

Anmeldung im Marktstammdatenregister und Zählertausch

Nach § 8 Abs. 5a EEG dürfen Steckersolargeräte mit insgesamt bis zu 2 Kilowatt Modulleistung und bis zu 800 Voltampere Wechselrichterleistung hinter deinem Zähler betrieben werden. Zusätzliche Meldungen an den Netzbetreiber dürfen dafür nicht verlangt werden. Die Registrierung im Marktstammdatenregister bleibt aber Pflicht. Sie muss nach § 5 Abs. 5 MaStRV innerhalb eines Monats nach der Inbetriebnahme erfolgen. Die Verbraucherzentrale nennt als nötige Angaben Modul- und Wechselrichterleistung, gegebenenfalls die Speicherkapazität, den Standort, das Inbetriebnahmedatum und die Zählernummer.

Ein alter Ferraris-Zähler mit Drehscheibe kann rückwärts laufen, wenn Strom eingespeist wird. Das wird laut Verbraucherzentrale bis zum Tausch geduldet. Der Messstellenbetreiber ersetzt den Zähler von sich aus durch einen elektronischen, nach Angaben der Verbraucherzentrale kostenlos. Welche Anzeige auf dem neuen Zähler was bedeutet, erklärt Stromzähler ablesen.

Am Zähler prüfen, wie viel das Balkonkraftwerk wirklich bringt

Ein elektronischer Zähler zeigt in der Regel zwei Zählwerke an: 1.8.0 ist der Strom, den du aus dem Netz beziehst, 2.8.0 ist der Strom, den du einspeist. Damit lässt sich die Ersparnis ohne Smart Meter nachvollziehen.

  1. Lies vor der Inbetriebnahme eine Woche lang jeden Abend den Bezug (1.8.0) ab. So erhältst du deinen Verbrauch pro Tag ohne Solarstrom.
  2. Lies nach der Inbetriebnahme in einer vergleichbaren Woche erneut ab. Die Differenz pro Tag ist dein eingesparter Netzbezug.
  3. Notiere zusätzlich 2.8.0. Was dort hinzukommt, hast du verschenkt.
  4. Nimm den Ertrag aus der Anzeige oder App des Wechselrichters und zieh die Einspeisung (2.8.0) ab. Das Ergebnis ist dein Eigenverbrauch. Teilst du ihn durch den Ertrag, erhältst du den Eigenverbrauchsanteil.
  5. Wiederhole die Grundlastmessung über Nacht. Sie zeigt, ob dein Verbrauch an sich gestiegen ist. Das Balkonkraftwerk kann einen solchen Anstieg tagsüber verdecken.

Wenn die Stromrechnung trotz Modulen hoch bleibt, liegt die Ursache woanders. Die Schritte im Ratgeber Stromverbrauch plötzlich gestiegen helfen beim Eingrenzen. Zählerfotos und Vorjahresvergleich kannst du kostenlos in Stromfahnder festhalten, hier registrieren.

Häufige Fragen

Wie viel spart ein 800-Watt-Balkonkraftwerk im Jahr?

Senkrecht am Südbalkon in der Mitte Deutschlands erzeugt es laut PVGIS rund 578 kWh im Jahr. Nutzt du 30 bis 60 Prozent davon selbst, sparst du mit 32 Cent pro kWh gerechnet etwa 55 bis 111 Euro im Jahr.

Nach wie vielen Jahren hat sich ein Balkonkraftwerk amortisiert?

Bei 500 Euro Anschaffungskosten und 32 Cent pro kWh dauert es etwa 4,5 Jahre, wenn du viel Solarstrom selbst verbrauchst, und rund 9 Jahre, wenn du wenig selbst verbrauchst.

Muss ich mein Balkonkraftwerk anmelden?

Ja, im Marktstammdatenregister, und zwar innerhalb eines Monats nach der Inbetriebnahme (§ 5 Abs. 5 MaStRV). Zusätzliche Meldungen an den Netzbetreiber dürfen nach § 8 Abs. 5a EEG für Geräte bis 2 kW Modul- und 800 VA Wechselrichterleistung nicht verlangt werden.

Darf mein alter Zähler rückwärts laufen?

Laut Verbraucherzentrale wird ein rückwärts laufender Ferraris-Zähler bis zum Tausch geduldet. Den Tausch übernimmt der Messstellenbetreiber. Fass den Zähler selbst nie an.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk auf der Nordseite?

Kaum. Senkrecht nach Norden liefert eine 800-Watt-Anlage laut PVGIS nur etwa 159 kWh im Jahr, rund ein Fünftel des Bestwerts. Selbst wenn du alles selbst verbrauchst, sind das mit 32 Cent pro kWh höchstens etwa 51 Euro.

Woran sehe ich am Zähler, was die Anlage bringt?

Vergleiche den Netzbezug (1.8.0) pro Tag vor und nach der Inbetriebnahme bei ähnlichem Wetter. Das Zählwerk 2.8.0 zeigt, wie viel ungenutzt ins Netz geflossen ist.

Quellen

Alle Kostenbeispiele mit einem Strompreis von 32 Cent pro kWh. Angaben ohne Gewähr; bei technischen Fragen hilft eine Elektrofachkraft.

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