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Energielabel verstehen: Was die kWh-Angabe bedeutet und wann sich ein Neugerät rechnet

7 Min. Lesezeit · Stand: 15. Oktober 2026

Wichtiger als der Buchstabe auf dem Energielabel ist die Zahl darunter. Die kWh-Angabe mal deinem Strompreis ergibt die Jahreskosten. Ein Kühlschrank mit 120 kWh pro Jahr kostet bei 32 Cent pro kWh also 38,40 Euro im Jahr. Ein Neugerät lohnt sich nur, wenn dein Altgerät nachweislich deutlich mehr verbraucht. Das findest du nicht im Prospekt heraus, sondern über deinen Stromzähler oder ein Messgerät. Bei einer alten Kühl-Gefrier-Kombination mit rund 400 kWh pro Jahr kann sich ein Neugerät in etwa zehn Jahren bezahlt machen. Liegt das Altgerät nur bei 250 kWh, dauert es rund 30 Jahre.

Was die Skala A bis G bedeutet

Seit März 2021 tragen Kühl- und Gefriergeräte, Waschmaschinen, Waschtrockner, Geschirrspüler sowie Fernseher und Monitore wieder ein Label mit der Skala A bis G. Lampen folgten im September 2021. Die Plusklassen A+ bis A+++ gibt es für diese Gerätegruppen nicht mehr. Die Klasse A bleibt bei der Einführung meist absichtlich leer, damit Hersteller einen Anreiz haben, noch sparsamere Geräte zu entwickeln.

Deshalb kann ein Gerät, das früher A+++ hatte, nach der neuen Einteilung nur noch Klasse D erreichen. Es ist dadurch nicht schlechter geworden, denn Messverfahren und Grenzwerte haben sich geändert. Alte und neue Labels kannst du deshalb nicht direkt vergleichen. Vergleiche immer die kWh-Werte, und zwar nur zwischen Geräten mit dem neuen Label.

Über den QR-Code oben rechts auf dem Label kommst du zur EU-Produktdatenbank EPREL. Dort findest du das Datenblatt des Geräts mit allen Messwerten.

Die kWh-Angabe lesen und in Jahreskosten umrechnen

Je nach Gerätegruppe steht die Verbrauchsangabe in einer anderen Einheit auf dem Label. Achte genau darauf, worauf sich die Zahl bezieht:

Bei Waschmaschine und Geschirrspüler musst du die Angabe auf deine eigene Zahl an Durchgängen umrechnen.
GerätAngabe auf dem LabelBezug
Kühl- und GefriergerätekWh pro JahrMessung unter genormten Bedingungen
WaschmaschinekWh pro 100 BetriebszyklenProgramm Eco 40-60
GeschirrspülerkWh pro 100 BetriebszyklenEco-Programm

Rechenbeispiel · Jahreskosten aus dem Label berechnen (32 Cent pro kWh)

  • Kühlschrank: Label 120 kWh pro Jahr
  • 120 kWh × 0,32 € = 38,40 € pro Jahr
  • Waschmaschine: Label 52 kWh pro 100 Zyklen, du wäschst 160-mal im Jahr
  • 52 kWh ÷ 100 × 160 = 83,2 kWh pro Jahr
  • 83,2 kWh × 0,32 € = 26,62 € pro Jahr

Kühlschrank 38,40 € und Waschmaschine 26,62 € pro Jahr, wenn du so nutzt wie im Labeltest.

Wie du Watt und Kilowattstunden allgemein in Euro umrechnest, erklärt der Ratgeber Stromkosten berechnen.

Altgerät prüfen: Mit dem Stromzähler herausfinden, was es wirklich verbraucht

Für dein Altgerät gibt es meist kein Label nach der neuen Skala. Den echten Verbrauch musst du deshalb messen. Ob ein altes Gerät hinter einer gestiegenen Stromrechnung steckt, zeigt dir dein Stromzähler:

  1. Grundlast über Nacht: Lies abends den Zählerstand ab, wenn alle Geräte aus sind, die du bewusst nutzt. Lies morgens erneut ab. Die Differenz geteilt durch die Stunden ergibt deine Grundlast in kWh pro Stunde. Kühl- und Gefriergeräte gehören dazu. Wie das genau geht, steht im Ratgeber Grundlast messen.
  2. Vorher/nachher-Vergleich: Lies den Zähler eine Stunde lang mit eingeschaltetem Kühlgerät ab. Ziehe dann den Stecker des Kühlgeräts, lass die Tür geschlossen und lies eine weitere Stunde ab. Die Differenz zwischen beiden Stunden zeigt grob, was das Gerät verbraucht.
  3. Hochrechnen: Nimm die Differenz pro Stunde mal 24 für den Tageswert und mal 365 für den Jahreswert.
  4. Wiederholen: Der Kompressor schaltet sich zyklisch ein und aus, eine einzelne Stunde kann deshalb täuschen. Wiederhole die Messung zwei- bis dreimal oder miss mit einem Steckdosen-Messgerät mindestens 24 Stunden. Tipps dazu stehen im Ratgeber Strommessgerät richtig nutzen.

Rechenbeispiel · Zählertest an einer alten Kühl-Gefrier-Kombination

  • Stunde mit Kühlgerät: 0,20 kWh
  • Stunde ohne Kühlgerät: 0,15 kWh
  • Differenz: 0,05 kWh pro Stunde
  • 0,05 kWh × 24 = 1,2 kWh pro Tag
  • 1,2 kWh × 365 = 438 kWh pro Jahr
  • 438 kWh × 0,32 € = 140,16 € pro Jahr

Grobe Schätzung: rund 438 kWh und 140 € pro Jahr. Prüfe den Wert mit einer 24-Stunden-Messung nach.

Altgerät gegen Neugerät: So rechnest du die Amortisation

Die Amortisationszeit ist der Kaufpreis geteilt durch die jährliche Ersparnis. Rechne beim Neugerät nicht nur mit dem Labelwert, sondern mit einem Aufschlag für die Alltagsnutzung. In den Beispielen unten sind das angenommene 10 Prozent.

Rechenbeispiel · Fall 1: Sehr altes Gerät, deutliche Ersparnis (32 Cent pro kWh)

  • Altgerät gemessen: 1,1 kWh pro Tag × 365 = 401,5 kWh pro Jahr
  • Neugerät: Label 160 kWh + 10 % Aufschlag = 176 kWh pro Jahr
  • Ersparnis: 401,5 − 176 = 225,5 kWh pro Jahr
  • 225,5 kWh × 0,32 € = 72,16 € pro Jahr
  • Kaufpreis angenommen 700 €: 700 ÷ 72,16 = 9,7 Jahre

Das Neugerät hat sich nach knapp 10 Jahren bezahlt gemacht.

Rechenbeispiel · Fall 2: Altgerät noch recht sparsam (32 Cent pro kWh)

  • Altgerät gemessen: 250 kWh pro Jahr
  • Neugerät: 176 kWh pro Jahr (wie oben)
  • Ersparnis: 74 kWh × 0,32 € = 23,68 € pro Jahr
  • 700 ÷ 23,68 = 29,6 Jahre

Rund 30 Jahre, also länger als die Lebensdauer des Geräts. Der Austausch rechnet sich hier nicht.

Als Orientierung nennt co2online: Ein Austausch kann sich bei Kühlschränken ab etwa 460 kWh pro Jahr lohnen, bei Kühl-Gefrier-Kombinationen ab mehr als 560 kWh pro Jahr. Funktioniert dein Gerät noch und liegt es darunter, ist eine Reparatur meist günstiger. Ein sparsames neues Gerät braucht laut co2online etwa 50 bis 70 kWh (Kühlschrank ohne Gefrierteil) bzw. etwa 150 kWh pro Jahr (Kühl-Gefrier-Kombination).

Wo Label-Werte von der Praxis abweichen

Die Labelwerte sind Herstellerangaben aus genormten Tests. Bei dir zu Hause kann der Verbrauch höher oder niedriger sein:

  • Aufstellort: Jedes Grad weniger Umgebungstemperatur senkt den Verbrauch eines Kühlgeräts um etwa 3 Prozent. Neben Herd, Heizung oder in der Sonne steigt der Verbrauch entsprechend.
  • Vereisung: Schon 5 mm Eis im Gefrierfach erhöhen den Verbrauch um rund 30 Prozent.
  • Programmwahl: Bei Waschmaschine und Geschirrspüler gilt der Wert nur für das Eco-Programm. Heißere oder schnellere Programme verbrauchen mehr.
  • Nutzung: Häufiges Türöffnen, warme Speisen im Kühlschrank oder mehr Waschgänge als in deiner Rechnung angenommen erhöhen die Jahreskosten.
  • Bildschirme: Der Verbrauch steigt mit Bildschirmgröße und eingestellter Helligkeit.

Miss deshalb nach dem Austausch nach. Lies den Zähler zwei Wochen vor und zwei Wochen nach dem Gerätewechsel ab und vergleiche den Tagesverbrauch. Nur so siehst du, ob die gerechnete Ersparnis auch ankommt. Wie du das ohne Messgerät machst, erklärt der Ratgeber Stromfresser finden ohne Messgerät.

Häufige Fragen

Warum hat mein neues Gerät nur Klasse C oder D, obwohl es sparsam ist?

Die Skala wurde neu gezogen und die Klasse A bleibt bei der Einführung oft leer. Ein Gerät, das früher A+++ hatte, kann heute in Klasse D landen. Entscheidend ist der kWh-Wert auf dem Label.

Wie rechne ich die Angabe pro 100 Zyklen in Jahreskosten um?

Teile den Wert durch 100, nimm ihn mal deine Zahl an Durchgängen pro Jahr und dann mal den Strompreis. Bei 52 kWh pro 100 Zyklen und 160 Wäschen sind das 83,2 kWh, also 26,62 Euro bei 32 Cent pro kWh.

Ab wann lohnt sich ein neuer Kühlschrank?

Als Orientierung nennt co2online einen Jahresverbrauch ab etwa 460 kWh bei Kühlschränken und über 560 kWh bei Kühl-Gefrier-Kombinationen. Darunter liegt die Amortisationszeit oft bei 20 Jahren oder mehr.

Kann ich alte und neue Energielabels vergleichen?

Nein. Klassen und Verbrauchswerte beruhen auf unterschiedlichen Messverfahren. Vergleiche ein Altgerät am besten über einen gemessenen Verbrauch und nicht über das alte Label.

Stimmt der Labelwert mit meinem Verbrauch überein?

Nur ungefähr. Aufstellort, Vereisung, Programmwahl und Nutzung verschieben den Verbrauch. Rechne einen Puffer ein und prüfe den Verbrauch nach dem Austausch mit dem Stromzähler.

Quellen

Alle Kostenbeispiele mit einem Strompreis von 32 Cent pro kWh. Angaben ohne Gewähr; bei technischen Fragen hilft eine Elektrofachkraft.

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