Kühlschrank und Gefriertruhe: Wie viel Strom normal ist – und wann sich ein neues Gerät lohnt
6 Min. Lesezeit · Stand: 1. Oktober 2026
Ein moderner, sparsamer Kühlschrank mittlerer Größe braucht laut co2online 90 bis 125 kWh im Jahr – bei 32 Cent pro kWh also rund 30 bis 40 €. Ältere Geräte kommen auf bis zu 330 kWh, eine alte Gefriertruhe im Keller oft auf noch mehr. Weil Kühl- und Gefriergeräte rund um die Uhr laufen, gehören sie zu den häufigsten Ursachen einer zu hohen Grundlast. Ob dein Gerät aus dem Rahmen fällt, erkennst du am Vergleich zwischen dem Wert auf dem Energielabel und dem, was es tatsächlich verbraucht.
Was auf dem Energielabel steht – und was es bedeutet
Auf dem EU-Energielabel jedes Kühl- und Gefriergeräts steht der Jahresverbrauch in kWh. Das ist der Wert unter Normbedingungen; im Alltag kann es mehr oder weniger sein. Die Effizienzklassen reichen heute von A (geringster Verbrauch) bis G; die sparsamsten Geräte auf dem Markt liegen laut Umweltbundesamt in den Klassen A oder B. Das Label findest du am Gerät, in der Bedienungsanleitung oder im Produktdatenblatt; für neuere Geräte auch in der EU-Produktdatenbank EPREL über den QR-Code auf dem Label.
| Gerät | Verbrauch pro Jahr | Kosten pro Jahr |
|---|---|---|
| moderner Kühlschrank, sparsamste Klasse (co2online) | 90–125 kWh | ≈ 29–40 € |
| Gefriertruhe 198 l, Klasse C (Beko CF200CWN, Datenblatt) | 126 kWh | ≈ 40 € |
| älterer Kühlschrank (co2online: Gerät aus dem Jahr 2002) | bis 330 kWh | ≈ 106 € |
| Gefriergerät an der UBA-Austauschschwelle | 430 kWh | ≈ 138 € |
| alte Truhe mit gemessenen 1,4 kWh pro Tag | 511 kWh | ≈ 164 € |
Zum Umrechnen: Jahresverbrauch ÷ 365 = Verbrauch pro Tag. Eine Truhe mit 126 kWh im Jahr sollte also etwa 0,35 kWh am Tag brauchen. Misst du deutlich mehr, stimmt etwas nicht – oder das Gerät ist einfach alt.
Warum Kühlgeräte mit der Zeit mehr Strom ziehen
- Vereisung: Laut co2online erhöht eine Eisschicht von fünf Millimetern im Gefrierfach den Stromverbrauch des Kühlschranks um rund 30 Prozent. Bei Truhen und Gefrierschränken ohne automatische Abtaufunktion wächst das Eis besonders schnell. Regelmäßiges Abtauen senkt den Verbrauch, schreibt das Umweltbundesamt.
- Spröde Dichtung: Schließt die Tür nicht mehr dicht, strömt ständig warme, feuchte Luft nach – das Gerät kühlt mehr und vereist schneller. Einfacher Test: Ein Blatt Papier in die Tür klemmen und herausziehen. Lässt es sich ohne Widerstand herausziehen, schließt die Dichtung an dieser Stelle nicht mehr.
- Zu kalt eingestellt: Das Umweltbundesamt hält 7 °C im Kühlschrank und −18 °C im Gefriergerät für ausreichend. Jedes Grad kälter kostet zusätzlichen Strom.
- Warmer Standort: Neben Herd, Heizkörper oder in der Sonne muss der Kompressor öfter laufen. co2online nennt als Faustwert: Pro Grad niedrigerer Umgebungstemperatur sinkt der Verbrauch um etwa drei Prozent.
- Verstaubte Lüftungsgitter und zu wenig Abstand zur Wand behindern die Wärmeabgabe an der Rückseite.
Steht eine Truhe in einer unbeheizten Garage oder einem Gartenhaus, prüfe im Datenblatt die Klimaklasse (zum Beispiel „SN-T“). Sie gibt an, für welche Umgebungstemperaturen das Gerät gebaut ist. Außerhalb dieses Bereichs arbeitet es nicht zuverlässig.
So prüfst du mit dem Zähler, ob das Kühlgerät dein Stromfresser ist
Am genauesten ist ein Zwischenstecker-Messgerät, das du 24 Stunden oder länger zwischen Steckdose und Gerät steckst – so mittelt sich das Ein- und Ausschalten des Kompressors heraus. Wie das geht, steht in Strommessgerät richtig nutzen. Ohne Messgerät geht es mit dem Stromzähler:
- Grundlast messen: abends und morgens den Zählerstand notieren und die Watt ausrechnen – wie im Artikel Grundlast messen beschrieben.
- Kurzer Gegentest in der Nacht: Zählerstand notieren, die verdächtige Truhe oder den Zweitkühlschrank geschlossen vom Strom nehmen, nach zwei Stunden den Zählerstand erneut notieren und das Gerät wieder einstecken.
- Vergleichen: Rechne für beide Zeiträume die Watt aus. Die Differenz ist ungefähr die durchschnittliche Leistung des Geräts. Mal 24 ergibt den Tagesverbrauch in Wattstunden.
- Mit dem Label abgleichen: Liegt der gemessene Tagesverbrauch deutlich über dem Labelwert ÷ 365, prüfe Vereisung, Dichtung und Temperatur.
Der Zwei-Stunden-Test ist eine Schätzung, weil der Kompressor in Intervallen läuft. Wiederhole ihn an einem zweiten Abend, wenn das Ergebnis knapp ist. Am Zähler lohnt sich ein Gerät erst dann als Verdächtiger, wenn es mindestens einige Dutzend Watt im Schnitt ausmacht.
Wann sich ein neues Gerät lohnt
Ein funktionierendes Gerät auszutauschen lohnt sich nicht immer – die Herstellung eines neuen Geräts kostet ebenfalls Energie und Rohstoffe. Zwei Orientierungswerte:
- Umweltbundesamt (ökologisch): Austausch lohnt sich ab etwa 240 kWh im Jahr bei einem Kühlschrank, 340 kWh bei einer Kühl-Gefrier-Kombination und 430 kWh bei einem Gefriergerät. Ist ohnehin eine Reparatur fällig, schon bei geringeren Werten.
- co2online (wirtschaftlich): Eine Neuanschaffung empfiehlt co2online ab etwa 460 kWh bei Kühlschränken ohne Gefrierteil und ab über 560 kWh bei Kühl-Gefrier-Kombinationen.
Rechenbeispiel · Alte Gefriertruhe gegen neue Truhe
- Alte Truhe, gemessen: 1,4 kWh pro Tag × 365 = 511 kWh pro Jahr ≈ 164 €
- Neue Truhe ähnlicher Größe, Klasse C: 126 kWh pro Jahr laut Datenblatt ≈ 40 €
- Ersparnis: 511 − 126 = 385 kWh × 0,32 € = 123 € pro Jahr
- Angenommener Kaufpreis der neuen Truhe: 400 €
- 400 € ÷ 123 € pro Jahr ≈ 3,3 Jahre
Die neue Truhe hat sich nach gut drei Jahren bezahlt gemacht
Prüfe vor dem Kauf auch, ob du das Gerät überhaupt brauchst: Ein halb leerer Zweitkühlschrank für Getränke im Keller kostet das ganze Jahr Strom. Ein abgeschaltetes Gerät spart mehr als jedes neue.
Häufige Fragen
Wie viel Strom verbraucht ein Kühlschrank im Jahr?
Ein moderner, sparsamer Kühlschrank mittlerer Größe braucht laut co2online 90 bis 125 kWh im Jahr, also bei 32 Cent pro kWh etwa 29 bis 40 Euro. Ältere Geräte können bis zu 330 kWh verbrauchen.
Wie viel Strom verbraucht eine Gefriertruhe?
Das hängt von Größe, Alter und Effizienzklasse ab. Eine neue Truhe mit knapp 200 Litern der Klasse C braucht laut Datenblatt zum Beispiel 126 kWh im Jahr. Alte, vereiste Truhen liegen oft weit darüber – das Umweltbundesamt hält einen Austausch ab etwa 430 kWh für sinnvoll.
Wie viel mehr Strom braucht ein vereister Gefrierschrank?
Laut co2online erhöht schon eine Eisschicht von fünf Millimetern den Stromverbrauch um rund 30 Prozent. Regelmäßiges Abtauen bringt den Verbrauch wieder herunter.
Welche Temperatur ist im Kühlschrank richtig?
Das Umweltbundesamt empfiehlt 7 °C im Kühlschrank und −18 °C im Gefriergerät. Kälter einzustellen kostet zusätzlichen Strom.
Ab wann lohnt sich ein neuer Kühlschrank?
Ökologisch lohnt sich der Austausch laut Umweltbundesamt ab etwa 240 kWh Jahresverbrauch beim Kühlschrank und 340 kWh bei der Kühl-Gefrier-Kombination. Wirtschaftlich nennt co2online etwa 460 bzw. über 560 kWh. Am einfachsten rechnest du mit deinem gemessenen Verbrauch und dem Labelwert des neuen Geräts.
Quellen
- co2online: Stromverbrauch Kühlschrank
- Umweltbundesamt: Kühlschrank
- Umweltbundesamt: Gefriertruhe, Gefrierschrank
- Produktdatenblatt Gefriertruhe Beko CF200CWN (Energielabel-Werte)
Alle Kostenbeispiele mit einem Strompreis von 32 Cent pro kWh. Angaben ohne Gewähr; bei technischen Fragen hilft eine Elektrofachkraft.
Weiterlesen
Messen & ablesen
Grundlast messen: So findest du heraus, was ständig Strom zieht
Zwei Ablesungen genügen: abends und morgens. So rechnest du die Grundlast in Watt aus – und erkennst, ob im Hintergrund zu viel läuft.
Messen & ablesen
Strommessgerät richtig nutzen: Messdauer, Hochrechnung und Grenzen
Ein Strommessgerät ist nur so gut wie die Messung. Wie lange du welches Gerät misst, wie du hochrechnest – und was es nicht messen kann.
Sparen & Tarif
Standby-Verbrauch: Was Geräte im Schein-Aus wirklich kosten
Fernseher, Receiver, Ladegeräte: Viele Geräte ziehen Strom, obwohl sie aus sind. So erkennst du den Standby-Verbrauch und schaltest ihn ab.
Ursachen finden
Durchschnittlicher Stromverbrauch: Ist dein Verbrauch normal?
Wie viel Strom ist normal? Die Vergleichswerte des Stromspiegels nach Personenzahl, Gebäude und Warmwasser – und wie du deinen Verbrauch fair einordnest.