Heizlüfter, Radiator, Infrarot: Was elektrisches Heizen wirklich kostet
6 Min. Lesezeit · Stand: 1. Oktober 2026
Alle elektrischen Direktheizungen – Heizlüfter, Ölradiator, Konvektor und Infrarotheizung – wandeln Strom eins zu eins in Wärme um: Für eine Kilowattstunde Wärme brauchen sie eine Kilowattstunde Strom. Ein üblicher 2.000-Watt-Heizlüfter verbraucht deshalb auf voller Stufe 2 kWh pro Stunde, das sind bei 32 Cent pro kWh rund 64 Cent pro Stunde. Läuft er im Winter täglich zwei Stunden, kommen im Monat schnell knapp 40 € zusammen – oft genau der Betrag, um den die Rechnung plötzlich gestiegen ist.
Leistung und Kosten pro Stunde
Die Rechnung ist einfach: Leistung in Kilowatt × Stunden = Kilowattstunden. Die Leistung steht auf dem Typenschild, meist auf der Rückseite oder am Boden. Viele Heizlüfter haben zwei Stufen, zum Beispiel 1.000 und 2.000 Watt.
| Leistung | Verbrauch pro Stunde | Kosten pro Stunde | 2 h täglich, 30 Tage |
|---|---|---|---|
| 500 W | 0,5 kWh | 16 ct | 30 kWh ≈ 9,60 € |
| 1.000 W | 1 kWh | 32 ct | 60 kWh ≈ 19,20 € |
| 2.000 W | 2 kWh | 64 ct | 120 kWh ≈ 38,40 € |
| 3.000 W | 3 kWh | 96 ct | 180 kWh ≈ 57,60 € |
Welche Leistung ein Raum braucht, hängt von seiner Größe und Dämmung ab. co2online nennt als Orientierung: 10 m² etwa 500 bis 1.000 Watt, 20 m² etwa 1.500 bis 2.000 Watt, 25 m² etwa 2.000 bis 3.000 Watt. Ein Gerät mit Thermostat schaltet sich ab, wenn die eingestellte Temperatur erreicht ist – dann liegt der tatsächliche Verbrauch unter der Volllast. Ohne Thermostat oder auf höchster Stufe läuft es durch.
Rechenbeispiel · Heizlüfter im Arbeitszimmer
- Heizlüfter mit 2.000 W und Thermostat
- Angenommen, er heizt die Hälfte der Zeit auf voller Leistung: im Mittel 1.000 W
- 8 Stunden am Tag × 20 Arbeitstage = 160 Stunden
- 1 kW × 160 h = 160 kWh pro Monat
- 160 kWh × 0,32 € = 51,20 €
Rund 51 € im Monat – über einen Winter mit fünf solchen Monaten etwa 256 €
Heizlüfter, Ölradiator, Infrarot: kein Sparmodell darunter
Die Geräte unterscheiden sich darin, wie sie die Wärme abgeben – nicht darin, wie viel Strom sie für eine bestimmte Wärmemenge brauchen:
- Heizlüfter blasen warme Luft und machen einen Raum schnell warm. Laut Verbraucherzentrale sind sie in der Anschaffung am günstigsten, aber laut, und an den Heizdrähten verbrennt Staub, was die Luft belastet.
- Öl-Radiatoren und Konvektoren heizen langsamer und gleichmäßiger, der Radiator gibt noch eine Weile Wärme ab, nachdem er abschaltet. Für dieselbe Wärme brauchen sie dieselbe Strommenge.
- Infrarotheizungen erwärmen vor allem Flächen und Personen, die sie anstrahlen. Die Verbraucherzentrale stellt klar: Sie verbrauchen trotz anderslautender Werbeaussagen nicht nennenswert weniger Strom als andere Elektroheizgeräte. Hinzu kommt: Einen günstigeren Heizstromtarif kannst du für Infrarotheizungen laut Verbraucherzentrale nur in den seltensten Fällen nutzen – meist laufen sie mit normalem Haushaltsstrom.
Sinnvoll sparen kannst du nur über weniger Stunden, niedrigere Stufe und kleinere beheizte Fläche – also kurz und gezielt dort heizen, wo du gerade bist.
Vergleich mit Wärmepumpe und Gasheizung
Ein vorsichtiger Vergleich, denn die Preise für Strom und Gas schwanken und unterscheiden sich von Tarif zu Tarif:
- Wärmepumpe: Sie gewinnt laut Verbraucherzentrale dieselbe Wärmemenge aus etwa einem Viertel des Stroms, weil sie zusätzlich Wärme aus Luft, Erde oder Wasser nutzt.
- Gasheizung: In einem Rechenbeispiel der Verbraucherzentrale mit rund 14 Cent pro kWh Gas und 41 Cent pro kWh Strom würden sich die Kosten pro Kilowattstunde Nutzwärme mit einer Direktheizung nahezu verdreifachen. Wie das Verhältnis bei dir aussieht, hängt von deinen eigenen Preisen ab – beide stehen auf deinen Rechnungen.
Würde der gesamte Wärmebedarf einer Wohnung über die Steckdose gedeckt, stiege die Stromrechnung nach Einschätzung der Verbraucherzentrale auf das Fünf- bis Zehnfache. Elektrische Direktheizungen eignen sich deshalb für kurze, gezielte Einsätze – etwa morgens im Bad – nicht als Dauerheizung.
Typische Fehler, die die Rechnung hochtreiben
- Heizlüfter als Ersatz für die kaputte oder zu schwache Heizung: Ein paar Wochen „Überbrückung“ mit zwei Geräten zu je 2.000 Watt können hunderte Kilowattstunden kosten.
- Höchste Stufe ohne Thermostat: Das Gerät läuft durch, auch wenn der Raum längst warm ist.
- Vergessene Geräte: Frostwächter im Gartenhaus, Radiator im Keller, Heizlüfter im Gäste-WC – sie laufen wochenlang unbemerkt.
- Heizen bei offenem Fenster oder gegen kalte Außenwände in ungedämmten Räumen.
- Elektrischer Handtuchheizkörper oder Heizstrahler im Bad im Dauerbetrieb – auch das ist eine Direktheizung mit derselben Rechnung.
co2online rechnet vor: Schon ein 1.000-Watt-Heizlüfter, der morgens und abends je eine Stunde läuft, braucht 2 kWh am Tag. Bei 32 Cent pro kWh sind das über das ganze Jahr 730 kWh oder rund 234 €.
So prüfst du mit dem Zähler, ob der Heizlüfter schuld ist
- Zählerstand notieren – am besten mit einem Foto, damit Datum und Uhrzeit mitgespeichert werden.
- Heizlüfter eine Stunde auf voller Stufe laufen lassen (beaufsichtigt) und möglichst keine anderen großen Verbraucher einschalten.
- Zählerstand erneut notieren. Die Differenz liegt bei einem 2.000-Watt-Gerät bei rund 2 kWh, plus der Grundlast deines Haushalts.
- Hochrechnen: Verbrauch pro Stunde × Stunden pro Tag × Tage, an denen das Gerät läuft. Liegt das in der Größenordnung deines Mehrverbrauchs, hast du die Ursache.
Ein zweiter Hinweis steckt in deinen Ablesungen über das Jahr: Steigt der Verbrauch nur in den Wintermonaten deutlich an, obwohl ihr nicht elektrisch heizt, ist ein Zusatzheizgerät der erste Verdächtige. Wie du Verbrauchssprünge einordnest, steht im Artikel Stromverbrauch plötzlich gestiegen.
Was du stattdessen tun kannst
- Gezielt und kurz heizen: Gerät nur einschalten, während du im Raum bist, und mit Thermostat auf eine moderate Temperatur stellen.
- Die eigentliche Heizung reparieren lassen: Ist ein Raum dauerhaft zu kalt, liegt das oft an Heizkörpern, die nicht richtig warm werden – ein Fall für den Heizungsfachbetrieb, nicht für den Heizlüfter.
- Abschlag anpassen: Wenn du im Winter elektrisch zuheizen musst, rechne den Mehrverbrauch ein, bevor die Nachzahlung kommt – siehe Abschlag anpassen.
Häufige Fragen
Wie viel kostet ein Heizlüfter pro Stunde?
Ein Heizlüfter mit 2.000 Watt braucht auf voller Stufe 2 kWh pro Stunde. Bei 32 Cent pro kWh sind das 64 Cent pro Stunde. Ein Gerät mit 1.000 Watt kostet die Hälfte.
Ist eine Infrarotheizung sparsamer als ein Heizlüfter?
Nicht nennenswert. Laut Verbraucherzentrale brauchen alle elektrischen Direktheizungen für eine Kilowattstunde Wärme eine Kilowattstunde Strom. Infrarotheizungen geben die Wärme nur anders ab.
Ist ein Ölradiator günstiger als ein Heizlüfter?
Für dieselbe Wärmemenge nicht. Der Radiator heizt langsamer und gleichmäßiger und ist leiser, verbraucht aber pro Kilowattstunde Wärme genauso viel Strom.
Darf ich einen Heizlüfter an eine Mehrfachsteckdose anschließen?
Davon ist abzuraten. Heizlüfter ziehen über lange Zeit eine hohe Leistung. co2online rät, sie nicht zusammen mit anderen Geräten an eine Steckdose anzuschließen. Am sichersten ist die direkte Wandsteckdose, und das Gerät sollte nie unbeaufsichtigt laufen.
Wie viel Strom braucht ein Heizlüfter im Monat?
Das hängt von Leistung und Laufzeit ab. Ein 2.000-Watt-Gerät, das täglich zwei Stunden auf voller Stufe läuft, braucht in 30 Tagen 120 kWh – bei 32 Cent pro kWh rund 38 Euro.
Quellen
- co2online: Heizlüfter – worauf bei Kauf und Betrieb achten
- Verbraucherzentrale Energieberatung: Elektrische Direktheizung
- Verbraucherzentrale: Für Infrarotheizungen gibt es oft keinen günstigen Heizstrom
Alle Kostenbeispiele mit einem Strompreis von 32 Cent pro kWh. Angaben ohne Gewähr; bei technischen Fragen hilft eine Elektrofachkraft.
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