Stromfahnder

Zwischenzähler einbauen: Stromverbrauch von Garage, Einliegerwohnung oder Werkstatt getrennt messen

7 Min. Lesezeit · Stand: 14. Oktober 2026

Ein Zwischenzähler auf der Hutschiene im Verteiler misst, wie viel Strom ein Gebäudeteil verbraucht, zum Beispiel eine Einliegerwohnung, Werkstatt, Garage oder Ferienwohnung. Wenn du nur wissen willst, wo dein Strom bleibt, reicht ein einfacher Zähler. Willst du den Verbrauch aber mit jemandem abrechnen, muss das Gerät geeicht sein. Bei einem elektronischen Zähler gilt die Eichfrist 8 Jahre lang. Danach musst du ihn tauschen oder neu eichen lassen. Einbauen darf ihn nur eine Elektrofachkraft. Will der Mieter einen eigenen Stromvertrag abschließen, reicht ein Zwischenzähler nicht. Dann braucht er einen eigenen Zähler des Messstellenbetreibers.

Erst prüfen: Ist der Gebäudeteil überhaupt der Grund für den Mehrverbrauch?

Bevor du Geld für einen Zwischenzähler ausgibst, prüfe mit deinem Hauptzähler, ob die Werkstatt, Garage oder Wohnung wirklich so viel verbraucht. Dafür brauchst du zwei Messungen, die beide ohne Eingriff in die Elektrik auskommen.

  1. Vorher/nachher ablesen: Schreib den Zählerstand morgens und abends auf, einmal an einem Tag mit normaler Nutzung des Gebäudeteils und einmal an einem Tag, an dem dort nichts läuft. Wie das bei deinem Zählertyp geht, steht unter Stromzähler ablesen.
  2. Grundlast über Nacht: Lies abends spät und morgens früh ab, bevor jemand Strom nutzt. Teile die Differenz durch die Stunden dazwischen. Das Ergebnis ist die Dauerleistung, die rund um die Uhr läuft.
  3. Geräte einzeln testen: Steckergeräte im Gebäudeteil, etwa einen Kompressor, einen Heizlüfter oder einen alten Kühlschrank, ziehst du für eine Nacht aus der Steckdose und vergleichst dann die Grundlast mit der vorigen Nacht. Kühlgeräte dabei nur kurz trennen und geschlossen lassen.

Rechenbeispiel · Grundlast in der Einliegerwohnung hochrechnen

  • Zählerstand 23 Uhr: 18.452,3 kWh, Zählerstand 6 Uhr: 18.453,0 kWh
  • Differenz: 0,7 kWh in 7 Stunden = 0,1 kWh pro Stunde = 100 Watt Dauerlast
  • Hochgerechnet auf ein Jahr: 0,1 kW × 8.760 h = 876 kWh
  • Kosten bei 32 Cent pro kWh: 876 kWh × 0,32 € = 280,32 €

100 Watt Dauerlast kosten rund 280 € im Jahr, auch wenn in der Wohnung niemand bewusst etwas einschaltet.

Was ein Hutschienenzähler mit MID-Zulassung ist

Ein Zwischenzähler (auch Unterzähler genannt) sitzt im Verteiler hinter dem Hauptzähler und misst nur den Stromkreis, an dem er hängt. Für Hausverteiler gibt es ihn als schmales Modul für die Hutschiene, als Wechselstromzähler für normale Steckdosen- und Lichtkreise oder als Drehstromzähler, wenn in der Werkstatt Starkstromgeräte laufen.

Die Kennzeichnung nach der europäischen Messgeräterichtlinie (MID) zeigt, dass der Zähler eine Konformitätsbewertung durchlaufen hat. Laut § 37 Abs. 1 MessEG beginnt die Eichfrist bei solchen Geräten mit dem Inverkehrbringen. Bis sie abläuft, gilt der Zähler als geeicht. Du erkennst ihn am MID-Zeichen und an der Jahreszahl auf dem Gerät.

Nach § 34 Abs. 2 MessEV endet eine Eichfrist von einem Jahr oder länger erst zum Ende des Kalenderjahres, in das ihr rechnerisches Ende fällt.
ZählerartEichfrist nach Anlage 7 MessEV
Elektronischer Zähler (auch Hutschienenzähler), direkter Anschluss oder über Messwandler8 Jahre
Ferraris-Zähler mit Drehscheibe, direkter Anschluss16 Jahre
Ferraris-Zähler mit Messwandler12 Jahre

Einbau und Kosten: nur durch einen eingetragenen Fachbetrieb

Wer einen Zwischenzähler einbaut, arbeitet im Verteiler unter Spannung. Nach § 13 Abs. 2 NAV dürfen Arbeiten an der Anlage hinter der Hausanschlusssicherung nur der Netzbetreiber oder ein Installationsunternehmen ausführen, das im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Die Kosten hängen von mehreren Punkten ab:

  • Zähler: Ein Wechselstromzähler ist günstiger als ein Drehstromzähler. Geräte mit MID-Kennzeichnung kosten mehr als solche ohne.
  • Platz im Verteiler: Ist kein Platz frei, muss erweitert oder umgebaut werden. Das ist oft der größte Kostenpunkt.
  • Leitungsführung: Am einfachsten ist es, wenn der Gebäudeteil schon über eigene Stromkreise versorgt wird. Hängen Garage und Wohnhaus am selben Stromkreis, müssen Leitungen getrennt werden.
  • Arbeitszeit und Anfahrt des Fachbetriebs.

Hol dir ein schriftliches Angebot ein, in dem diese Punkte einzeln aufgeführt sind. Sag dem Betrieb vorher, ob du mit dem Zähler abrechnen willst. Dann muss ein MID-Gerät eingebaut werden.

Wann der Zwischenzähler für die Abrechnung genügt

Bleibt es bei einem Stromvertrag für das ganze Haus und reichst du die Kosten intern weiter, etwa an einen Untermieter, die Gäste der Ferienwohnung oder einen Werkstattnutzer, dann genügt ein Zwischenzähler. Weil du mit seinen Messwerten Geld abrechnest, gelten aber Regeln aus dem Mess- und Eichrecht:

  • § 31 Abs. 2 Nr. 3 MessEG: Wer ein Messgerät verwendet, muss sicherstellen, dass es nicht ungeeicht verwendet wird. Ein Zähler ohne MID-Kennzeichnung oder mit abgelaufener Eichfrist erfüllt das nicht.
  • § 33 Abs. 1 MessEG: Im geschäftlichen Verkehr darfst du nur Messwerte verwenden, die mit einem bestimmungsgemäß verwendeten Messgerät ermittelt wurden.
  • § 33 Abs. 3 MessEG: Eine Rechnung, die auf Messwerten beruht, muss für den Empfänger einfach nachvollziehbar sein. Schreib also Anfangs- und Endstand, Ablesedatum und Preis pro kWh hinein.

Rechenbeispiel · Abrechnung einer Werkstatt über den Zwischenzähler

  • Zwischenzähler Werkstatt, Ablesung Anfang: 3.210 kWh, Ende: 4.450 kWh
  • Verbrauch Werkstatt: 4.450 − 3.210 = 1.240 kWh
  • Hauptzähler im selben Zeitraum: 5.600 kWh, davon Wohnhaus: 5.600 − 1.240 = 4.360 kWh
  • Arbeitspreis Werkstatt bei 32 Cent pro kWh: 1.240 × 0,32 € = 396,80 €

Die Werkstatt hat 396,80 € Arbeitspreis verbraucht. Ob und wie ihr den Grundpreis aufteilt, legt ihr am besten vorher schriftlich fest.

Wann ein eigener Zähler des Netzbetreibers nötig ist

Ein Zwischenzähler gehört dir. Er zählt nur für deine eigene Abrechnung, Netzbetreiber und Stromlieferant sehen ihn nicht. Sobald der Gebäudeteil einen eigenen Stromvertrag bekommen soll, zum Beispiel weil der Mieter der Einliegerwohnung seinen Anbieter selbst wählen und direkt mit ihm abrechnen will, braucht es eine eigene Messstelle. Nach § 3 Abs. 1 MsbG ist der Messstellenbetrieb grundsätzlich Aufgabe des grundzuständigen Messstellenbetreibers, also meist des örtlichen Netzbetreibers.

  • Zwischenzähler reicht: Ein Vertrag für das ganze Haus, du rechnest intern ab, etwa mit Untermieter, Ferienwohnung, eigener Werkstatt oder Garage.
  • Eigener Netzzähler nötig: Der Mieter soll einen eigenen Liefervertrag und eine eigene Rechnung vom Versorger bekommen, oder der Gebäudeteil wird dauerhaft als eigene Wohnung mit eigenem Anschlussnutzer geführt.
  • Vorgehen: Ein eingetragener Elektrofachbetrieb meldet den zusätzlichen Zählerplatz beim Netzbetreiber an und richtet ihn ein. Den Zähler setzt der Messstellenbetreiber. Dafür fällt ein eigenes Messentgelt an, mehr dazu unter Smart Meter und Messentgelt.

Ein zweiter Netzzähler kostet in der Regel mehr als ein Zwischenzähler, weil zum Einbau dauerhaft ein zweiter Grundpreis und ein zweites Messentgelt hinzukommen. Bei Untervermietung oder einer Ferienwohnung genügt deshalb meist ein geeichter Zwischenzähler.

Den Verbrauch des Gebäudeteils dauerhaft im Blick behalten

Mit dem Zwischenzähler kannst du sauber trennen: Hauptzähler minus Zwischenzähler ergibt den Verbrauch deines eigenen Haushalts. Steigt deine Rechnung, siehst du sofort, ob es an der Werkstatt oder an deiner Wohnung liegt. Lies dafür beide Zähler regelmäßig am selben Tag ab, zum Beispiel jeden Monatsersten. Fallen einzelne Werte aus der Reihe, hilft dir Stromverbrauch plötzlich gestiegen bei der Ursachensuche.

In Stromfahnder kannst du den Hauptzähler per Foto erfassen, Geräte aus Werkstatt oder Garage mit Typenschild-Foto eintragen und den gemessenen mit dem erklärten Verbrauch vergleichen. Lädst du deine Rechnung hoch, vergleicht die App jeden Tag mit dem Vorjahr und warnt dich früh vor einer Nachzahlung. Die App ist kostenlos und funktioniert ohne Smart Meter: jetzt registrieren.

Häufige Fragen

Darf ich einen Zwischenzähler selbst einbauen?

Nein. Nach § 13 Abs. 2 NAV dürfen Arbeiten hinter der Hausanschlusssicherung nur der Netzbetreiber oder ein Installationsunternehmen ausführen, das im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Der Einbau im Verteiler ist Sache einer Elektrofachkraft.

Wie lange ist ein MID-Zwischenzähler geeicht?

Bei elektronischen Zählern beträgt die Eichfrist nach Anlage 7 MessEV 8 Jahre. Sie beginnt nach § 37 Abs. 1 MessEG mit dem Inverkehrbringen und endet nach § 34 Abs. 2 MessEV zum Ende des betreffenden Kalenderjahres.

Darf ich mit einem Zähler ohne MID-Kennzeichnung abrechnen?

Nein. Wer mit den Messwerten Geld abrechnet, darf das Messgerät nach § 31 Abs. 2 Nr. 3 MessEG nicht ungeeicht verwenden. Ein Zähler ohne Konformitätsbewertung oder mit abgelaufener Eichfrist taugt nur als Orientierung für dich selbst.

Braucht meine Einliegerwohnung einen eigenen Zähler vom Netzbetreiber?

Nur wenn der Mieter einen eigenen Stromvertrag mit einem Anbieter seiner Wahl abschließen soll. Rechnest du den Strom intern über die Miete oder Nebenkosten ab, genügt ein geeichter Zwischenzähler.

Wie finde ich ohne Zwischenzähler heraus, ob die Werkstatt viel verbraucht?

Lies den Hauptzähler an einem Tag mit und an einem Tag ohne Werkstattbetrieb ab und vergleiche die Werte. Miss außerdem die Grundlast über Nacht. Steckergeräte kannst du testweise ausstecken. Sicherungen schaltest du dafür nicht ab.

Was muss auf der Abrechnung an den Untermieter stehen?

Anfangs- und Endstand des Zwischenzählers, die Ablesedaten, der Verbrauch in kWh und der Preis pro kWh. Nach § 33 Abs. 3 MessEG muss eine Rechnung, die auf Messwerten beruht, für den Empfänger einfach nachvollziehbar sein.

Quellen

Alle Kostenbeispiele mit einem Strompreis von 32 Cent pro kWh. Angaben ohne Gewähr; bei technischen Fragen hilft eine Elektrofachkraft.

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