Stromcheck und Energieberatung der Verbraucherzentrale: Ablauf, Kosten und was die Beratung wirklich bringt
7 Min. Lesezeit · Stand: 11. Oktober 2026
Du findest selbst keine Ursache für deinen hohen Stromverbrauch? Dann hilft dir die Energieberatung der Verbraucherzentrale. Am Telefon, online, per Video und in der Beratungsstelle ist sie kostenlos. Ein Hausbesuch kostet dich höchstens 40 Euro. Haushalte mit geringem Einkommen zahlen mit Nachweis gar nichts und können außerdem den kostenlosen Stromspar-Check nutzen. Laut Anbieter spart ein Haushalt damit im Schnitt rund 300 Euro im Jahr. Am meisten bringt dir die Beratung, wenn du vorher mit deinem Stromzähler geprüft hast, wie hoch deine Grundlast ist und wann der Mehrverbrauch entsteht.
Welche Angebote es gibt: der Überblick
Für Haushalte gibt es zwei Wege zu unabhängiger, günstiger Hilfe. Der erste ist die Energieberatung der Verbraucherzentrale, die allen offensteht. Der zweite ist der Stromspar-Check, der sich an Haushalte mit geringem Einkommen richtet. Keines der beiden Angebote ist an einen Anbieter gebunden, und beide wollen dir nichts verkaufen.
| Angebot | Für wen | Kosten | Was passiert |
|---|---|---|---|
| Verbraucherzentrale: Telefon, online, Video | alle Haushalte | kostenlos | Kurzfragen klären, Rechnung gemeinsam einordnen |
| Verbraucherzentrale: Beratungsstelle | alle Haushalte | kostenlos | ausführliches persönliches Gespräch bei komplexen Fragen |
| Verbraucherzentrale: Beratung zu Hause | alle Haushalte, wenn ein Besuch sinnvoll ist | höchstens 40 Euro, mit Einkommensnachweis kostenlos | Analyse vor Ort, Tipps, schriftlicher Bericht nach etwa vier Wochen |
| Stromspar-Check | Haushalte mit geringem Einkommen | kostenlos | Beratung zu Hause oder online, kostenlose Soforthilfen, Zuschuss für ein neues Kühlgerät |
Die kostenlose Hotline der Energieberatung erreichst du unter 0800 809 802 400. Dort wird auch geklärt, ob für dich ein Hausbesuch infrage kommt. Ob es einen Hausbesuch gibt, entscheiden die Beratenden. Meist klären sie das vorher am Telefon, per Video oder in der Beratungsstelle.
Vorher selbst prüfen: Zählerstand und Grundlast
Eine Beratung kann nur mit den Daten arbeiten, die du mitbringst. Miss deshalb vorher mit deinem eigenen Zähler, ob der Mehrverbrauch dauerhaft im Hintergrund entsteht oder nur zu bestimmten Zeiten. Wie du die verschiedenen Zählertypen abliest, steht in Stromzähler ablesen.
- Lies eine Woche lang jeden Abend zur selben Uhrzeit den Zählerstand ab und schreib ihn auf. So siehst du deinen Verbrauch pro Tag.
- Miss die Grundlast über Nacht: Lies den Zähler vor dem Schlafengehen ab, schalte keine großen Geräte mehr ein und lies morgens wieder ab.
- Teile die verbrauchten Kilowattstunden durch die Stunden dazwischen. Das Ergebnis ist deine durchschnittliche Dauerleistung in Kilowatt.
- Vorher-Nachher-Test: Hast du ein Gerät im Verdacht, schalte es für eine Nacht aus (Ausnahmen siehe Sicherheitshinweis) und vergleiche den Verbrauch mit dem einer normalen Nacht.
Rechenbeispiel · Grundlast aus zwei Zählerständen berechnen
- Abends um 23 Uhr: 45.210,4 kWh, morgens um 7 Uhr: 45.211,2 kWh
- Verbrauch: 0,8 kWh in 8 Stunden
- Grundlast: 0,8 kWh ÷ 8 h = 0,1 kW = 100 Watt
- Pro Jahr: 100 W × 8.760 h = 876 kWh
- Kosten bei 32 Cent pro kWh: 876 kWh × 0,32 € = 280,32 €
Eine Grundlast von 100 Watt kostet rund 280 Euro im Jahr. Liegt deine deutlich darüber, gehört dieser Wert in die Beratung.
Mehr dazu findest du unter Grundlast messen und Stromfresser finden ohne Messgerät.
Energieberatung der Verbraucherzentrale: Ablauf und Kosten
Meist beginnst du mit einem Anruf, einer Onlineanfrage oder einem Termin in der Beratungsstelle, jeweils kostenlos. Dort sieht die Beraterin oder der Berater deine Strom- und Nebenkostenabrechnungen mit dir durch, und ihr sucht gemeinsam die großen Verbraucher. Oft genügt das schon, etwa wenn ein Zählerstand geschätzt wurde oder der Abrechnungszeitraum länger ist als zwölf Monate.
Lässt sich die Frage nur vor Ort klären, kann ein Hausbesuch folgen. Er dauert bis zu zwei Stunden, und du zahlst höchstens 40 Euro. Haushalte mit geringem Einkommen bekommen alle Beratungsangebote mit einem entsprechenden Nachweis kostenlos. Welche Unterlagen als Nachweis gelten, erfährst du an der Hotline. Etwa vier Wochen nach dem Termin bekommst du einen schriftlichen Bericht per Post. Der Bericht ist kein Gutachten, er fasst die Ergebnisse und Empfehlungen zusammen.
Rechenbeispiel · Lohnt sich der Hausbesuch für 40 Euro?
- Angenommen, die Beratung entdeckt ein altes Kühlgerät, das 200 kWh im Jahr mehr verbraucht als ein sparsames
- Mehrkosten bei 32 Cent pro kWh: 200 kWh × 0,32 € = 64 € pro Jahr
- Kosten des Besuchs: höchstens 40 €
- 40 € ÷ 64 € pro Jahr ≈ 0,63 Jahre
Wird nur ein einziger solcher Stromfresser gefunden, hat sich der Besuch nach etwa siebeneinhalb Monaten bezahlt gemacht.
Stromspar-Check: kostenlos bei geringem Einkommen
Der Stromspar-Check richtet sich an Menschen mit wenig Geld. Ob du teilnehmen kannst, prüfst du mit dem Einkommensrechner auf der Website des Angebots. Lokale Standorte nennen als Zielgruppe zum Beispiel Haushalte mit Bürgergeld, Wohngeld oder Grundsicherung. Den Termin vereinbarst du online, per Telefon oder per Messenger. Geschulte Stromsparhelferinnen und -helfer suchen dann bei dir zu Hause oder online nach Möglichkeiten, Strom, Wasser und Heizenergie zu sparen.
- Kosten: keine.
- Soforthilfen: je nach Bedarf kostenlos, zum Beispiel LED-Lampen oder ein Sparduschkopf.
- Kühlgerät: Für ein neues, sparsameres Kühlgerät gibt es einen Zuschuss. Höhe und Bedingungen hängen vom Standort ab.
- Ersparnis: laut Anbieter im Schnitt rund 300 Euro pro Haushalt und Jahr.
Wenn du Anspruch hast, ist der Stromspar-Check meist die beste Wahl, weil du neben der Beratung auch gleich Material bekommst. Drohen dir schon Zahlungsprobleme, lies außerdem Stromsperre droht.
So bereitest du den Termin vor
Wenn du gut vorbereitet bist, kann der Termin gezielt auf die Ursache zugehen. Lege dir Folgendes bereit:
- Die letzten zwei bis drei Jahresabrechnungen für Strom und, falls vorhanden, die Nebenkostenabrechnung.
- Deine Zählerstand-Notizen der letzten Tage und den gemessenen Nachtwert (Grundlast).
- Eine Liste der großen Geräte mit ihrem ungefähren Alter: Kühl- und Gefriergeräte, Warmwasserbereiter, elektrische Heizgeräte, Trockner, Pumpen.
- Was sich im Haushalt verändert hat: neue Geräte, Homeoffice, ein zusätzliches Haushaltsmitglied, ein Umzug.
- Fotos der Typenschilder von Geräten, an die man schlecht herankommt.
Was die Beratenden messen und was nicht
Was vor Ort geprüft und gemessen wird, hängt vom Thema ab. Grundlage sind fast immer deine Abrechnungen. Mit ihnen vergleichen die Beratenden deinen Verbrauch mit dem üblicher Haushalte ähnlicher Größe und suchen gemeinsam mit dir die Geräte, die am meisten verbrauchen. Geräte, die in der Steckdose stecken, lassen sich mit einem Stecker-Messgerät direkt messen. Bei Kühlgeräten, Unterhaltungselektronik und Geräten im Standby geht das gut.
Das Messgerät hat aber Grenzen. Fest angeschlossene Verbraucher wie Durchlauferhitzer, Boiler, Heizungs- oder Zirkulationspumpen und Nachtspeicheröfen lassen sich so nicht messen. Hier schätzen die Beratenden den Verbrauch anhand der Leistung und Laufzeit oder empfehlen dir eine Prüfung durch einen Fachbetrieb. Auch ein defekter Zähler oder ein vertauschter Zähler im Mehrfamilienhaus fällt bei einer Energieberatung nicht automatisch auf. Dafür gibt es eigene Wege, siehe Stromzähler defekt? und Zähler vertauscht.
Nach dem Termin kannst du mit deinem Zähler prüfen, ob die Maßnahmen wirken. Lies eine Woche lang wieder täglich ab und miss die Grundlast noch einmal über Nacht. Sinkt der Nachtwert oder der Tagesverbrauch, war die Beratung erfolgreich. In Stromfahnder vergleichst du dafür deinen gemessenen mit dem erklärten Verbrauch und siehst jeden Tag den Abstand zum Vorjahr. Die App ist kostenlos und funktioniert ohne Smart Meter. Alle Funktionen im Überblick.
Häufige Fragen
Was kostet die Energieberatung der Verbraucherzentrale?
Am Telefon, online, per Video und in der Beratungsstelle ist sie kostenlos. Für eine Beratung zu Hause zahlst du höchstens 40 Euro. Haushalte mit geringem Einkommen bekommen mit Nachweis alle Beratungsangebote kostenlos.
Wer kann den Stromspar-Check nutzen?
Haushalte mit geringem Einkommen. Ob du teilnehmen kannst, prüfst du mit dem Einkommensrechner auf der Website des Stromspar-Checks. Lokale Standorte nennen als Beispiele Bürgergeld, Wohngeld und Grundsicherung. Die Beratung und die Soforthilfen sind kostenlos.
Wie lange dauert ein Hausbesuch der Energieberatung?
Bis zu zwei Stunden. Den schriftlichen Bericht bekommst du etwa vier Wochen später per Post.
Findet die Energieberatung jeden Stromfresser?
Nein. Geräte an der Steckdose lassen sich gut messen, fest angeschlossene Geräte dagegen nur abschätzen. Einen defekten oder vertauschten Zähler deckt die Beratung nicht automatisch auf. Hast du deine Grundlast vorher gemessen und Zählerstände notiert, steigen die Chancen deutlich.
Wie erreiche ich die Energieberatung der Verbraucherzentrale?
Über die kostenlose Hotline 0800 809 802 400 oder über das Onlineformular der Energieberatung der Verbraucherzentrale. Dort wird auch geklärt, ob ein Hausbesuch sinnvoll ist.
Quellen
- Verbraucherzentrale Energieberatung: Beratungsangebote und Kosten
- Verbraucherzentrale Energieberatung: Beratung zu Hause
- Stromspar-Check: kostenlose Beratung für Haushalte mit geringem Einkommen
- Verbraucherzentrale Niedersachsen: Heimliche Stromfresser im Haushalt
Alle Kostenbeispiele mit einem Strompreis von 32 Cent pro kWh. Angaben ohne Gewähr; bei technischen Fragen hilft eine Elektrofachkraft.
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