Stromfahnder

Kriechstrom und Fehlerstrom: Kann eine defekte Leitung die Stromrechnung erhöhen?

7 Min. Lesezeit · Stand: 5. Oktober 2026

Ja, eine defekte Leitung kann den Zähler weiterdrehen lassen. Wenn deine Anlage aber einen funktionierenden FI-Schutzschalter mit 30 mA hat, bleibt der Betrag meist klein: Ein dauerhafter Fehlerstrom von 30 mA entspricht 6,9 Watt. Das sind rund 60 kWh oder etwa 19 Euro im Jahr, gerechnet mit 32 Cent pro kWh. Ein Leitungsfehler, der deine Rechnung um Hunderte Euro erhöht, wäre zugleich ein ernstes Brand- und Stromschlagrisiko. Wie du mit deinem Stromzähler eingrenzt, ob überhaupt ein unerklärter Dauerverbrauch da ist, und ab wann eine Elektrofachkraft ran muss, steht hier.

Kriechstrom, Fehlerstrom: Was der Zähler davon mitbekommt

Ein Fehlerstrom fließt dort, wo er nicht hingehört. Er läuft zum Beispiel über eine beschädigte Isolierung, eine feuchte Abzweigdose oder ein defektes Gerät zum Schutzleiter oder ins Erdreich. Als Kriechstrom bezeichnet man meist sehr kleine Ströme dieser Art, die über verschmutzte oder feuchte Oberflächen „kriechen“.

Für deine Rechnung ist entscheidend, wo der Fehler liegt. Dein Zähler misst den Strom, der durch ihn hindurch in deine Anlage fließt. Liegt die Fehlerstelle hinter dem Zähler, also in deinen Leitungen oder Geräten, wird der Strom mitgezählt, auch wenn er nur ins Erdreich abfließt. Liegt sie vor dem Zähler im Hausanschluss, ist das Sache des Netzbetreibers und taucht nicht auf deiner Rechnung auf.

  • Wird gezählt: Fehler in deinen Stromkreisen hinter dem Zähler, zum Beispiel eine feuchte Außensteckdose oder ein angebohrtes Kabel.
  • Wird praktisch nicht spürbar gezählt: Kriechströme von wenigen Milliampere. Sie liegen bei einem Watt oder darunter.
  • Wird nicht bei dir gezählt: Fehler vor dem Zähler oder in Stromkreisen, die an einem anderen Zähler hängen. Wenn du einen vertauschten Zähler vermutest, hilft der Ratgeber Zähler vertauscht oder Fremdverbrauch.

Wie viel kostet ein Fehlerstrom wirklich?

Die Leistung eines Fehlerstroms lässt sich einfach abschätzen: Netzspannung 230 Volt mal Strom. Die folgende Tabelle geht vom ungünstigsten Fall aus, nämlich dass der Fehlerstrom rund um die Uhr fließt, also 8.760 Stunden im Jahr.

Gerechnet mit 230 V, Dauerbetrieb und 32 Cent pro kWh. Ab etwa 30 mA schaltet ein funktionierender FI-Schutzschalter ab.
FehlerstromLeistung (230 V × Strom)Verbrauch pro JahrKosten pro Jahr (32 ct/kWh)
1 mA0,23 W2 kWh0,64 €
10 mA2,3 W20 kWh6,45 €
30 mA6,9 W60 kWh19,34 €
100 mA23 W201 kWh64,47 €
500 mA115 W1.007 kWh322,37 €

Rechenbeispiel · Fehlerstrom knapp unter der FI-Schwelle

  • Fehlerstrom: 0,03 A × 230 V = 6,9 W
  • Pro Jahr: 6,9 W × 8.760 h = 60.444 Wh ≈ 60,4 kWh
  • Kosten: 60,4 kWh × 0,32 €/kWh (32 Cent pro kWh) ≈ 19,34 €

Auch im ungünstigsten Fall, also knapp unter der Auslöseschwelle eines 30-mA-FI-Schalters, kostet der Fehler unter 20 Euro im Jahr. Ein Anstieg um mehrere hundert kWh hat bei vorhandenem FI-Schalter fast immer eine andere Ursache.

Teuer wird es nur bei großen Fehlerströmen. 500 mA bedeuten 115 Watt Wärme an einer Stelle, an der keine Wärme entstehen darf. Ein solcher Fehler ist zuerst ein Brandrisiko und erst danach ein Kostenproblem.

FI-Schutzschalter und alte Elektroinstallationen

Der FI-Schutzschalter (auch RCD) vergleicht den Strom, der über den Außenleiter hinfließt, mit dem Strom, der über den Neutralleiter zurückkommt. Fehlt ein Teil davon, weil er über den Schutzleiter oder ins Erdreich abfließt, schaltet er ab. Für den Personenschutz arbeitet er mit einem Bemessungsdifferenzstrom von höchstens 30 mA. Ein dauerhafter Fehlerstrom, der deine Rechnung deutlich erhöht, kann sich deshalb hinter einem funktionierenden FI-Schalter kaum halten. Der Schalter würde vorher auslösen.

Zwei Einschränkungen gelten trotzdem. Einen Fehler zwischen Außen- und Neutralleiter, etwa eine verkohlte, leitende Stelle in einer Abzweigdose, sieht der FI-Schalter nicht. Für ihn verhält sich das wie ein normaler Verbraucher. Und ältere Anlagen haben oft gar keinen FI-Schalter. Vorgeschrieben ist er bei Neubauten in Feuchträumen seit 1984 und seit der Norm DIN VDE 0100-410:2007-06 auch für allgemein verwendbare Steckdosen. Für sichere Bestandsanlagen gibt es keine generelle Nachrüstpflicht.

  • Anlage mit FI-Schalter: Ein teurer Dauer-Fehlerstrom zur Erde ist sehr unwahrscheinlich. Häufiges, unerklärtes Auslösen ist dagegen ein Warnsignal.
  • Anlage ohne FI-Schalter: Größere Fehlerströme sind möglich, ohne dass etwas abschaltet. Das ist ein Sicherheitsthema, das eine Elektrofachkraft prüfen sollte, unabhängig von der Stromrechnung.

Mit dem Stromzähler prüfen: Gibt es überhaupt einen unerklärten Dauerverbrauch?

Ein Leitungsfehler verbraucht Tag und Nacht. Er steckt also in deiner Grundlast, dem Verbrauch, der auch dann läuft, wenn niemand etwas einschaltet. Deshalb ist die Grundlast über Nacht der beste erste Test. Wie du den Zählerstand richtig abliest, erklärt der Ratgeber Stromzähler ablesen.

  1. Notiere abends den Zählerstand und die Uhrzeit, wenn alle Geräte aus sind, die du bewusst nutzt.
  2. Lies morgens vor dem ersten Kaffee erneut ab.
  3. Teile die Differenz in kWh durch die Stunden und rechne in Watt um.
  4. Rechne zusammen, was dauerhaft laufen darf: Kühlgeräte, Router, Standby, Heizungspumpe. Hilfe dazu gibt der Ratgeber Grundlast messen.
  5. Bleibt eine deutliche Lücke, ziehe für eine Stunde alle Stecker, die du gefahrlos ziehen kannst, und lies vorher und nachher ab. Kühlschrank, Gefriertruhe, Aquarien, Terrarien und medizinische Geräte bleiben dabei angeschlossen.

Rechenbeispiel · Grundlast über Nacht auswerten

  • Zählerstand 22:00 Uhr: 41.250,6 kWh, Zählerstand 6:00 Uhr: 41.252,2 kWh
  • Verbrauch: 1,6 kWh in 8 Stunden = 0,2 kWh pro Stunde = 200 W
  • Erklärbar: Kühl-Gefrier-Kombi im Schnitt ca. 30 W, Router und Standby ca. 30 W, zusammen 60 W
  • Unerklärt: 200 W − 60 W = 140 W
  • Hochgerechnet: 140 W × 8.760 h ≈ 1.226 kWh × 0,32 €/kWh (32 Cent pro kWh) ≈ 392 € im Jahr

140 Watt Dauerlast entsprechen rechnerisch über 600 mA Fehlerstrom. So ein Fehler würde jeden 30-mA-FI-Schalter auslösen. Wahrscheinlicher sind eine alte Umwälzpumpe, ein Boiler oder ein anderes fest angeschlossenes Gerät.

Sicherungstest und Warnzeichen: Ab wann die Elektrofachkraft prüfen muss

Der klassische Sicherungstest schaltet die Stromkreise nacheinander ab und beobachtet, wann der Zähler stehen bleibt. Damit lässt sich ein Fehler sauber einem Stromkreis zuordnen. Diese Eingrenzung gehört aber in die Hand einer Elektrofachkraft. Sie kann dabei auch den Isolationswiderstand messen und erkennt Fehler, die du am Zähler nie sehen würdest. Dein Teil ist der Stecker-Test von oben: Bleibt danach eine hohe Dauerlast, obwohl alles Steckbare aus ist, liegt sie in fest angeschlossenen Geräten oder in der Installation.

Fest angeschlossene Dauerläufer sind die häufigere Erklärung. Prüfe zuerst die Kandidaten aus den Ratgebern Umwälzpumpe als Stromfresser und Durchlauferhitzer, Boiler, Untertischgerät. Selbst ausbauen oder abklemmen darfst du davon nichts.

Mit Stromfahnder erfasst du deine Geräte per Typenschild-Foto oder mit typischen Werten und siehst, wie viel deines gemessenen Verbrauchs erklärt ist. Bleibt eine Lücke, weißt du, dass sich die weitere Suche lohnt. Die App ist kostenlos und braucht keinen Smart Meter. Kostenlos registrieren oder erst die Funktionen ansehen.

Häufige Fragen

Kann eine defekte Leitung meine Stromrechnung erhöhen?

Ja, wenn die Fehlerstelle hinter deinem Zähler liegt. Mit funktionierendem 30-mA-FI-Schalter bleibt der Betrag aber klein: höchstens rund 60 kWh oder etwa 19 Euro im Jahr bei 32 Cent pro kWh. Größere Fehlerströme würden den FI-Schalter auslösen.

Zählt der Stromzähler Kriechströme mit?

Ströme, die hinter dem Zähler über eine Fehlerstelle abfließen, fließen auch durch den Zähler und werden mitgezählt. Kriechströme von wenigen Milliampere entsprechen aber nur etwa einem Watt oder weniger und fallen auf der Rechnung praktisch nicht auf.

Schützt mich der FI-Schalter vor einer hohen Stromrechnung?

Indirekt ja. Er schaltet ab, sobald zu viel Strom zur Erde abfließt, bei Personenschutz-Schaltern spätestens ab 30 mA. Fehler zwischen Außen- und Neutralleiter erkennt er allerdings nicht, und viele ältere Anlagen haben keinen FI-Schalter.

Darf ich zum Testen Sicherungen ausschalten?

Davon raten wir ab. Das Eingrenzen über einzelne Stromkreise sollte eine Elektrofachkraft übernehmen. Du kannst stattdessen die Grundlast über Nacht messen und gefahrlos steckbare Geräte ausstecken. Kühlgeräte, Aquarien, Terrarien und medizinische Geräte bleiben dabei angeschlossen.

Meine Grundlast ist sehr hoch. Ist das ein Leitungsfehler?

Selten. Mehrere hundert Watt Dauerlast würden als Fehlerstrom zur Erde jeden 30-mA-FI-Schalter auslösen. Häufiger sind alte Umwälzpumpen, Boiler, Kühlgeräte oder Standby. Bleibt die Last nach dem Stecker-Test unerklärt, lass die Anlage von einer Elektrofachkraft prüfen.

Wann muss eine Elektrofachkraft kommen?

Bei wiederholtem Auslösen des FI-Schalters, bei warmen oder verschmort riechenden Steckdosen, bei einem Kribbeln an Metallteilen, bei Feuchtigkeit an Installationen und bei hoher Grundlast trotz gezogener Stecker. In Anlagen ohne FI-Schalter ist eine Prüfung grundsätzlich sinnvoll.

Quellen

Alle Kostenbeispiele mit einem Strompreis von 32 Cent pro kWh. Angaben ohne Gewähr; bei technischen Fragen hilft eine Elektrofachkraft.

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