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Nachtspeicherheizung: Wie viel Strom ist normal und was kostet sie wirklich?

7 Min. Lesezeit · Stand: 12. Oktober 2026

Eine Nachtspeicherheizung braucht üblicherweise etwa 120 bis 130 kWh Strom pro Quadratmeter beheizter Fläche und Jahr. Für eine 70-m²-Wohnung sind das rund 8.750 kWh. Bei 32 Cent pro kWh kostet das etwa 2.800 Euro im Jahr. Liegt deine Rechnung deutlich darüber oder ist sie plötzlich gesprungen, sind meist zu hoch eingestellte Laderegler, ein ausgeschalteter Ventilator, Nachladen zum Tagstrompreis oder ein defekter Fühler schuld. Mit deinem Heizstromzähler kannst du das in wenigen Nächten selbst eingrenzen.

Wie viel Strom ist bei Nachtspeicheröfen normal?

Der ADAC nennt etwa 120 bis 130 kWh pro Quadratmeter und Jahr als üblichen Verbrauch. co2online rechnet in seinen Vergleichen mit rund 130 kWh pro Quadratmeter. Gut gedämmte Wohnungen liegen darunter, unsanierte Altbauten mit hohen Decken darüber. Entscheidend ist die beheizte Fläche, nicht die Zahl der Öfen.

Ein einzelner Ofen hat meist eine Anschlussleistung von 2 bis 4 kW. Als Faustregel gelten mindestens 50 Watt pro Kubikmeter Raum. Die Leistung zeigt, wie viel der Ofen pro Stunde maximal aufnimmt. Was er tatsächlich verbraucht, hängt davon ab, wie viele Stunden er pro Nacht lädt.

Richtwerte für ein durchschnittliches Heizjahr. Rechnung: Fläche × kWh/m² × 0,32 €. Mit einem günstigeren Nachtstrompreis wird es entsprechend billiger.
Beheizte FlächeVerbrauch bei 120 kWh/m²Verbrauch bei 130 kWh/m²Kosten bei 32 ct/kWh
50 m²6.000 kWh6.500 kWh1.920–2.080 €
70 m²8.400 kWh9.100 kWh2.688–2.912 €
100 m²12.000 kWh13.000 kWh3.840–4.160 €

Ein kalter Winter kann den Verbrauch um ein Viertel oder mehr erhöhen. Das ist normal. Auffällig ist ein Anstieg, wenn der Winter mild war oder sich deine Wohnsituation nicht verändert hat. Wie du saisonale Schwankungen einordnest, erklärt der Artikel Stromverbrauch im Winter höher.

Heizstromtarif, HT und NT: Wo die Kosten entstehen

Nachtspeicheröfen laden in der Regel im Niedertarif (NT), meist zwischen 22 und 6 Uhr. Die genauen Zeiten legen Netzbetreiber und Tarif fest. Sie stehen in deinem Vertrag oder auf der Rechnung. Laut ADAC ist Nachtstrom nur etwa 10 bis 20 Prozent günstiger als normaler Haushaltsstrom. Der Preisvorteil ist also kleiner, als viele denken.

Meist hängen die Öfen an einem eigenen Zähler mit zwei Zählwerken, je eines für HT (Hochtarif) und NT. Viele Tarife erlauben auch eine Nachladung am Tag, die zum teureren HT-Preis abgerechnet wird. Steigt der HT-Anteil deiner Heizstromrechnung, lädt die Anlage tagsüber nach. Das passiert, wenn nachts zu wenig geladen wird oder eine Zusatzheizung am Heizstromkreis hängt. Wie du die Zählwerke unterscheidest, steht in Stromzähler ablesen: HT/NT und 1.8.0/2.8.0.

So prüfst du mit dem Zähler, ob die Öfen die Ursache sind

Du brauchst nur den Zähler, einen Zettel und ein paar Tage mit ähnlichem Wetter. Am Zähler selbst arbeitest du dabei nicht, du liest nur ab.

  1. Ladung pro Nacht messen: Lies das NT-Zählwerk des Heizstromzählers abends vor Beginn der Ladezeit und morgens danach ab. Die Differenz ist die Strommenge, die in dieser Nacht in die Öfen geflossen ist.
  2. Volllaststunden berechnen: Teile die Nachtmenge durch die Summe der Anschlussleistungen aller Öfen. Die Leistung steht auf dem Typenschild. Ergibt das bei 8 Stunden Ladezeit fast 8 Stunden, laden die Öfen voll.
  3. Mit dem Wetter vergleichen: Bei etwa 10 °C Außentemperatur reicht normalerweise eine niedrige Ladestufe. Volle Ladung bei mildem Wetter deutet auf einen zu hoch eingestellten Laderegler oder eine fehlende bzw. defekte Witterungsführung hin.
  4. Tagesnachladung prüfen: Lies das HT-Zählwerk morgens und abends ab. Läuft es tagsüber deutlich, wird teuer nachgeladen.
  5. Grundlast getrennt prüfen: Bei Nachtspeicherheizungen eignet sich die Nacht nicht für den Grundlasttest am Heizstromzähler. Mach ihn am Haushaltszähler, siehe Grundlast messen. Im Sommer, wenn die Öfen aus sind, sollte der Heizstromzähler stillstehen. Läuft er trotzdem, ist noch etwas eingeschaltet, zum Beispiel ein mit angeschlossener Warmwasserspeicher.

Rechenbeispiel · Rechenbeispiel: Nachtladung prüfen

  • 4 Öfen à 3 kW = 12 kW Anschlussleistung
  • Milde Nacht (ca. 10 °C): NT-Zähler abends 24.310 kWh, morgens 24.406 kWh
  • Nachtladung: 24.406 − 24.310 = 96 kWh
  • Volllaststunden: 96 kWh ÷ 12 kW = 8 Stunden, also volle Ladung trotz mildem Wetter
  • Kosten dieser Nacht: 96 kWh × 0,32 € = 30,72 € (gerechnet mit 32 Cent pro kWh)
  • Würden 3 Stunden Ladung reichen: 12 kW × 3 h = 36 kWh × 0,32 € = 11,52 €

Mehrkosten pro milder Nacht: 30,72 € − 11,52 € = 19,20 €. Bei 60 solcher Nächte im Jahr sind das 1.152 € zu viel.

Liegen die Zählerwerte im Rahmen, die Rechnung aber trotzdem hoch, prüf den Haushaltszähler. Die Schritte dazu stehen in Stromverbrauch plötzlich gestiegen? Ursachen finden in fünf Schritten.

Falsch eingestellte Lade- und Entladeregler

Jeder Nachtspeicherofen hat zwei Stellgrößen. Der Laderegler (Aufladeregler) bestimmt, wie viel Wärme nachts eingespeichert wird. Das Raumthermostat bzw. der Entladeregler steuert, wann der Ventilator die gespeicherte Wärme in den Raum bläst. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz nennt als Orientierung für den Laderegler: etwa 10 °C Außentemperatur entspricht Stufe 1, 0 °C Stufe 2 und etwa −5 °C Stufe 3. Das gilt für die übliche Skala von 1 bis 3.

  • Laderegler dauerhaft auf Maximum: Morgens ist es zu warm, und du lüftest bezahlte Wärme hinaus.
  • Ventilator ausgeschaltet: Die Öfen werden oft überladen. Das erhöht Verbrauch und Kosten.
  • Volle Ladung in wenig genutzten Räumen: Im Schlafzimmer oder Gästezimmer reicht meist eine niedrige Stufe. Halte die Türen dazwischen geschlossen.
  • Zu wenig Ladung: Ist der Speicher nachmittags leer, springt eine Tagnachladung oder ein Heizlüfter ein. Beides läuft zum teuren Preis, siehe Heizlüfter, Radiator, Infrarot.
  • Verstaubte Lüftungsgitter: Sie behindern die Wärmeabgabe. Sauge sie regelmäßig von außen ab.

Defekte erkennen: Thermostat, Fühler, Witterungsführung

Viele Anlagen werden über eine zentrale Aufladesteuerung mit Außentemperaturfühler geregelt. Moderne Steuerungen nutzen zusätzlich Wettervorhersagen. Sie schätzen den Wärmebedarf für den nächsten Tag und passen die Ladung an. Fehlt diese Witterungsführung, ist der Fühler defekt oder abgeklemmt, laden die Öfen oft unabhängig vom Wetter. Folgende Anzeichen deuten auf einen Defekt hin:

  • Der Ofen ist auch bei niedrigster Ladestufe morgens glühend heiß. Dann ist der Laderegler oder der Kernfühler im Gerät verdächtig.
  • Der Ventilator läuft ständig, obwohl der Raum warm ist. Das deutet auf ein defektes Raumthermostat hin.
  • Die Nachtladung ist an milden und kalten Tagen gleich hoch. Das spricht für eine fehlende oder gestörte Witterungsführung.
  • Ein Ofen bleibt kalt, obwohl der Zähler Ladung zeigt. Dann ist möglicherweise ein anderes Gerät die Ursache, oder die Zuordnung der Stromkreise stimmt nicht.
  • Brandgeruch, Knistern oder Verfärbungen am Gehäuse.

Wann sich ein Austausch lohnt

co2online zählt Nachtspeicherheizungen zu den teuersten Heizarten. Laut Heizspiegel kann ein Umstieg auf eine Wärmepumpe die Heizkosten um mehr als die Hälfte senken. Für einen Austausch spricht vor allem:

  • Baujahr vor 1984: Diese Geräte können Asbest enthalten. Bei Geräten von vor Juli 1989 sind künstliche Mineralfasern möglich, bei Geräten von vor Juni 2000 PCB.
  • Wiederkehrende Defekte an Reglern und Thermostaten bei Geräten, für die es kaum noch Ersatzteile gibt.
  • Hoher Verbrauch trotz richtiger Einstellung, also deutlich über 130 kWh pro m² bei normaler Raumtemperatur.

Wer als Mieter wohnt, kann die Einstellungen selbst optimieren und den Vermieter auf eine geförderte Modernisierung hinweisen. Neue Nachtspeicheröfen werden nicht gefördert, der Wechsel auf eine erneuerbare Heizung schon. Den Förderantrag musst du vor der Auftragsvergabe stellen. Eine neutrale Einschätzung bekommst du bei der Energieberatung der Verbraucherzentrale.

Häufige Fragen

Wie viel Strom verbraucht eine Nachtspeicherheizung pro Quadratmeter?

Üblich sind etwa 120 bis 130 kWh pro Quadratmeter beheizter Fläche und Jahr. Für 70 m² sind das rund 8.400 bis 9.100 kWh. Bei 32 Cent pro kWh kostet das etwa 2.700 bis 2.900 Euro.

Wie viel kostet ein Nachtspeicherofen pro Nacht?

Das hängt von Leistung und Ladedauer ab. Ein 3-kW-Ofen, der 8 Stunden voll lädt, nimmt 24 kWh auf. Bei 32 Cent pro kWh kostet das 7,68 Euro pro Nacht. Bei halber Ladung ist es entsprechend die Hälfte.

Wann wird Nachtstrom berechnet?

Meist zwischen 22 und 6 Uhr. Die genauen NT-Zeiten legen Netzbetreiber und Tarif fest. Sie stehen im Vertrag oder auf der Rechnung.

Auf welche Stufe sollte ich den Laderegler stellen?

Als Orientierung gilt bei einer Skala von 1 bis 3: etwa 10 °C Außentemperatur entspricht Stufe 1, 0 °C Stufe 2 und etwa −5 °C Stufe 3. In wenig genutzten Räumen reicht oft eine niedrigere Stufe.

Warum läuft mein Heizstromzähler tagsüber?

Wahrscheinlich lädt die Anlage im Hochtarif nach, weil nachts zu wenig geladen wurde. Möglich ist auch, dass ein weiteres Gerät wie ein Warmwasserspeicher am Heizstromkreis hängt. Prüf die Ladeeinstellung und lass die Zuordnung der Stromkreise im Zweifel von einer Elektrofachkraft klären.

Enthält mein Nachtspeicherofen Asbest?

Bei Geräten mit Baujahr vor 1984 ist das möglich. Das Baujahr steht meist auf dem Typenschild. Öffne das Gerät nicht und lass Demontage und Entsorgung nur von zugelassenen Fachfirmen durchführen.

Quellen

Alle Kostenbeispiele mit einem Strompreis von 32 Cent pro kWh. Angaben ohne Gewähr; bei technischen Fragen hilft eine Elektrofachkraft.

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